Die jüngste Eliminierung von El Mencho, dem Kopf des mächtigen CJNG, durch Präsidentin Sheinbaums Regierung zeigt Fortschritte im Kampf gegen die Drogenkartelle. Doch Sicherheitsexperte Falko Ernst mahnt zur Vorsicht: In Mexiko sind Kartelle und Staat eng verknüpft. Nach der Ermordung von El Mencho Ende Februar wurde Anfang Mai auch eine zweite Führungsperson, El Jardinero, festgenommen. Die Festnahme des Buchhalters dieses Kartells könnte wertvolle Einblicke in die Korruptionsnetzwerke bieten, da er über finanzielle Verbindungen mit Militärs, Polizisten und Politikern informiert ist. Die Aktionen gegen das CJNG könnten als Hoffnungsschimmer gedeutet werden. Doch es bleibt abzuwarten, ob Mexiko auch Korruption im eigenen System bekämpft und nicht nur spezielle Gruppen wie das CJNG ins Visier nimmt. Trotz der Tötung von El Mencho unter Druck der USA zeigte sich mexikanisches Sicherheitsministerium entschlossen, ein Abschreckungssignal zu senden. Das CJNG ist bekannt für seine interne Gewalt und die Förderung von Konkurrenzkämpfen zwischen jungen Mitgliedern. Diese Strategie ermöglichte eine schnelle Expansion des Kartells in Mexiko. Die Bildung der mexikanischen Drogenbanden begann mit dem Schmuggel von Alkohol und Menschen über die Grenze zu den USA, was sich im 20. Jahrhundert auf illegale Drogen ausweitete. Die Professionalisierung des Drogenhandels begann in Kolumbien in den 1980er Jahren. Im Gegensatz zu den mexikanischen Gruppen, die Konkurrenz duldeten, versuchten kolumbianische Kartelle wie das Medellín- und Cali-Kartell, Märkte zu monopolisieren. Mexikanische Banden begannen als Logistikunternehmen für Kokaintransporte der Kolumbianer. Mit der Zeit erlangten sie mehr Einfluss und Kontrolle über den Schmuggelweg nach Nordamerika. Heute existieren Joint Ventures zwischen kolumbianischen Produzenten und mexikanischen Kartellen. Präsident Felipe Calderóns Strategie 2006, das Militär gegen Drogenkartelle einzusetzen, führte zu einer Zunahme der Gewalt in Mexiko. Die Fragmentierung großer Kartelle resultierte in zahlreichen neuen Gruppen, die um Macht kämpften und Korruption förderten. Heute haben mexikanische Kartelle ihr Geschäftsfeld erweitert: Sie kontrollieren Wirtschaftsketten durch Schutzgelderpressung in der Landwirtschaft und anderen Branchen. Die enge Verbindung zwischen kriminellen Gruppen und staatlichen Akteuren ist ein Schlüsselfaktor für die strukturelle Straffreiheit. Von den lokalen Gemeinden bis zur Zentralregierung sind alle Ebenen involviert, was zu einem dysfunktionalen Korruptionsnetzwerk führt. Politische Kandidaten suchen oft nach Unterstützung durch kriminelle Akteure, unabhängig von ihrer Parteizugehörigkeit. Präsident López Obradors Strategie, „Umarmungen statt Kugeln“, zielte darauf ab, Gewalt zu reduzieren, indem Straffreiheit im Tausch für weniger sichtbare Morde angeboten wurde. Die Festnahme von El Jardinero ohne Waffengewalt könnte ein Ende der Straflosigkeit signalisieren und die Regierung Sheinbaums als ernsthaften Gegenspieler gegen das organisierte Verbrechen etablieren.