Hexagon Robotics in Zürich bezeichnet seine Mitarbeiter als «Unsere kleine Armee». In einem Parterre-Saal eines Bürogebäudes im Binz-Quartier stehen dutzendweise humanoide Roboter eng zusammen. Diese Maschinen verfügen über Oberkörper, Kopf sowie zwei Beine und Arme, sodass man versucht ist, sie anzusprechen.
Während einer Kurzvorführung bewegt sich ein humanoider Roboter mithilfe von Rädern auf eine Autotür zu und inspiziert diese präzise. Er nutzt Kameras und Sensoren in seinem Kinn für die Inspektion. In einem angrenzenden Raum wechselt ein anderer Roboter eigenständig seine Batterie aus – innerhalb weniger als 30 Sekunden.
Die zumeist jungen Mitarbeiter von Hexagon Robotics, deren Durchschnittsalter unter 30 Jahren liegt, bereiten die Roboter für den Einsatz in Fabriken vor. Der schwedische Mutterkonzern hat kürzlich BMW als Kunden gewonnen und bedient bereits Unternehmen wie Schaeffler sowie Pilatus.
Die Geschichte der Industrieroboter reicht über fünf Jahrzehnte zurück, mit ersten Modellen in den 1970er Jahren für die Autoindustrie. Ab den 1980er Jahren wurden sie vermehrt eingesetzt, um Teile zu montieren oder Schweißarbeiten auszuführen. Diese Roboter waren statisch und standen unter Schutzkäfigen.
In den 1990er Jahren kam der Durchbruch mobiler Roboter, die Materialien in Fabriken zustellten oder Waren in Verteilzentren transportierten.
Die Integration künstlicher Intelligenz markiert einen neuen Meilenstein. Noch befinden sich diese Roboter vorwiegend in Laboren von Universitäten und Startups, aber mit KI können sie sich selbst orientieren und Objekte erkennen. Erste Einsatzgebiete sind flexible Fabriken oder Lagerhäuser, wo die Roboter einfache Aufgaben eigenständig ausführen. Auch zur Unterhaltung wurden humanoide Roboter eingesetzt, wie im Februar getanzte Roboter in einer chinesischen TV-Show.
China spielt eine Schlüsselrolle und hat ehrgeizige Ziele für die Entwicklung humanoider Roboter gesetzt. Laut Barclays unterstützt der Staat Anbieter in Fernost mit Forschungskooperationen, steuerlichen Anreizen und Direktzahlungen.
Aktuell ist der Markt noch bescheiden: Im vergangenen Jahr wurden humanoide Roboter für 2 bis 3 Milliarden Dollar verkauft. Barclays prognostiziert jedoch ein Wachstum auf 200 Milliarden Dollar bis 2035, während Morgan Stanley eine Prognose von jährlich 7,5 Billionen Dollar ab 2050 wagt.
Dennoch gibt es Skeptiker wie Gartner, die vor einem «Hype» warnen. Die Technologie sei noch zu unreif für den industriellen Einsatz.
Verkäufe und Hersteller konzentrieren sich hauptsächlich auf China, wo laut Barclays 85 Prozent der weltweit installierten Roboter stammen werden.
Hexagon Robotics ist eine der wenigen westlichen Firmen in diesem Bereich. Derzeit erfolgt sowohl die Entwicklung als auch die Fertigung in Zürich, wie Arnaud Robert, ihr Chef, bestätigt. Nach erfolgreichen Tests von Prototypen 2023 wurde Hexagon Robotics 2025 gegründet und plant eine rasche Expansion.
Hexagon will noch im laufenden Jahr beweisen, dass der Modell Aeon vielfältige Aufgaben in Fabriken übernehmen kann, mit Produktionshochlauf für 2027. Die genauen Standorte sind unbekannt, aber es wird angenommen, dass eine europäische Fertigung geplant ist.
ABB Robotics, ein Pionier im Robotikgeschäft, steht ebenfalls unter Druck und plant den Verkauf seiner Sparte für 5,4 Milliarden Dollar an Softbank. Auch bei ABB soll der Hauptsitz in Zürich bleiben.
Der Gesamtmarkt der Industrieroboter hat ein Volumen von knapp 17 Milliarden Dollar, stagniert aber seit 2021. Unternehmen kämpfen mit Überkapazitäten, besonders stark in China, wo fast jeder zweite der über 4 Millionen Roboter weltweit steht.
Angesichts dieser Herausforderungen setzen einige Marktbeobachter ein Fragezeichen hinter die hohen Erwartungen im Geschäft mit humanoiden Robotern. Der technische Fortschritt wird oft überschätzt, wie Hanspeter Fässler von Gravis Robotics und Anybotics warnt. Er glaubt, dass es noch zehn Jahre dauert, bis humanoide Roboter industriell wirklich nützlich sind.
Anbieter humanoider Roboter werden also schnell den Beweis antreten müssen, ansonsten droht vielen der finanzielle Kollaps.