Mit dem neuen landwirtschaftlichen Verordnungspaket des Bundesrats sollen die Betriebe administrativ entlastet werden. Die Änderungen, darunter die Zusammenfassung verschiedener Arten von Biodiversitätsflächen zur Erleichterung der Arbeit für Landwirte, treten am 1. Januar 2027 in Kraft. Bis Mittwoch können dazu Stellungnahmen abgegeben werden. Kritik an den Anpassungen kommt sowohl aus Umweltverbänden als auch vonseiten des Schweizer Bauernverbandes.
Martin Rufer, Direktor des Schweizer Bauernverbands, begrüßt die Reduktion des administrativen Aufwands und sieht darin einen ersten Schritt zur Entlastung. Er erwartet weitere Vereinfachungen in der Agrarpolitik 2030+. Der Verband kritisiert jedoch auch das Paket, insbesondere hinsichtlich der geplanten Methodik für den Vergleich von landwirtschaftlichen Einkommen mit jenen der Allgemeinbevölkerung. Während der Bundesrat die Vergleichsbasis auf die 25 Prozent wirtschaftlichsten Betriebe festlegt, fordert der Bauernverband einen Median-Vergleich aller Betriebe.
Die Umweltverbände Pro Natura, WWF, Bird Life und Greenpeace äußern ebenfalls Kritik. Sie befürworten zwar die Reduktion des Papieraufwands grundsätzlich, warnen jedoch vor negativen Auswirkungen auf den Umweltschutz durch geplante Vereinfachungen beim Ökologischen Leistungsnachweis. Nico Frommherz von Greenpeace betont, dass die vielen einzelnen Anpassungen problematisch für den Umweltschutz seien und fordert Kompensationsmaßnahmen.
Als Beispiele nennen sie gelockerte Bodenschutzanforderungen, wie das Wegfallen obligatorischer Bodenproben und reduzierte Schutzmaßnahmen gegen Erosion. Auch die Lockerung von Pestizidregeln wird bemängelt, ebenso wie eine Erweiterung der Auswahl an frei einsetzbaren Insektiziden.
Der Schweizer Bauernverband hingegen versichert, dass trotz der Vereinfachungen der Umweltschutz gewahrt bleibe. Der Bundesrat prüft aktuell die Rückmeldungen zur Vernehmlassung und plant, das Paket Anfang 2027 umzusetzen. Weitere Maßnahmen zur Reduktion des administrativen Aufwands sollen in der im Entstehen begriffenen Agrarpolitik 2030+ folgen. Die Herausforderung, den Papierkram zu verringern ohne den Umweltschutz zu beeinträchtigen, wird dort erneut thematisiert.
Rendez-vous, 4.5.2026, 6:46 Uhr