Der Fußball hat selten überraschende Meisterteams erlebt, doch vor mehr als einem Vierteljahrhundert war dies der Fall. Der Trainer Otto Rehhagel und sein Schweizer Kapitän Ciriaco Sforza waren Teil dieser bemerkenswerten Geschichte.
Ratinho, ein brasilianischer Spieler des 1. FC Kaiserslautern, erinnerte sich: «Es gibt Tage, an denen du denkst, dass jetzt auch der Fußballgott mit uns ist.» Im Jahr 1998 führte das Team die Bundesliga an. In ihrem Heimstadion Betzenberg gegen Borussia Mönchengladbach leisteten sie sich eine schwache Vorstellung und lagen bereits 0:2 zurück, bevor Marschall drei Tore erzielte, eins davon kurz vor Schluss per Kopf.
Der Aufstieg des FC Kaiserslautern zum Meistertitel wurde in der zweitletzten Runde besiegelt. Die Mannschaft feierte ausgelassen und parodierte Giovanni Trapattonis berühmte Wutrede mit einem Banner: «Nix Flaschen leer. Alle Flaschen voll. Deshalb Otto so toll». Rehhagel, der später RTL zitiert wurde, meinte: «So etwas ist heute eigentlich nicht mehr möglich.»
Rehhagel war bekannt dafür, Randbedingungen zu beherrschen, was sich in Titeln wie dem Europameistertitel 2004 mit Griechenland widerspiegelte. Er bevorzugte die Provinzbühne Kaiserslautern gegenüber den großen Stadien.
Sforza und Ratinho erinnern sich an ihre glorreichen Tage, vergleichbar mit dem aktuellen Erfolg des FC Thun in der Schweiz. Sforza betonte das Gefühl von Freiheit während ihrer Siegesserie und hob die Harmonie innerhalb des Teams hervor.
Ratinho, heute Integrations-Coach in Salzburg, sprach vom besonderen Charakter des Kaiserslautern-Titels. Sforza erinnert sich an den schleichenden Erfolg der Saison 1997/98 und die Bedeutung der Kontinuität im Team.
Rehhagel hatte das Vertrauen in seine Mannschaft gestärkt, indem er sie aufforderte, die Tabelle zu konsultieren und an ihren ersten Platz zu glauben. Der damalige 21-jährige Michael Ballack und der erfahrene Andreas Brehme waren Teil dieses besonderen Teams.
Nach dem Titelgewinn qualifizierte sich Kaiserslautern direkt für die Champions League, im Gegensatz zum aktuellen Schweizer Meister FC Thun. Nach einem Gruppensieg schied das Team gegen Bayern München aus.
Der Klub gab der Stadt 1998 eine Zeit der Selbstbestätigung. Heute spielt Kaiserslautern in der 2. Bundesliga und sucht nach neuen Erfolgen. Der Fussballgott bleibt weiterhin unauffindbar.