Die Stromversorgung der Schweiz im Winter ist stark von französischen Atomkraftwerken abhängig. Werner Luginbühl, Leiter des Schweizer Strommarktüberwachers Elcom, appellierte am Donnerstag in Bern eindringlich an die Energiepolitiker des Ständerates. Er betonte, dass ein Abkommen mit der EU für die Versorgungssicherheit von großer Bedeutung ist und zwingend angestrebt werden muss. Gleichzeitig fand im nahen Bundeshaus eine Diskussion über dieses Thema statt, bei der viele Energiepolitiker skeptisch gegenüber dem Vertrag sind.
Luginbühl wies darauf hin, dass die Schweiz seit Jahren auf Stromimporte aus der EU angewiesen ist, besonders nach dem Ausfall des Atomkraftwerks Gösgen. Dies wurde kompensiert durch Importe von französischem Atomstrom, was den Preisen zugutekam. Luginbühl distanzierte sich allerdings davon, diesen Umstand als Argument für ein Ende der AKW-Neubauverbote zu nutzen.
Derzeit sind die Folgen von Kriegen auf die Energieversorgungssicherheit im öffentlichen Bewusstsein verankert. Beispielsweise beeinflusst der Konflikt um die Straße von Hormuz, durch die rund 20 Prozent des globalen Flüssiggasverkehrs laufen, potenziell auch Schweizer Preise. Trotzdem rechnet Elcom aktuell nicht mit steigenden Energiekosten, da die französischen Atomkraftwerke verfügbar bleiben und der Winterstrom bereits eingekauft wurde.
Ein Restrisiko besteht dennoch: Sollte der Iran-Krieg weitergehen und die erneuerbare Produktion im Winter geringer ausfallen, könnten Preise steigen. Besonders betroffen wären Industriebetriebe außerhalb der Grundversorgung.
Ein zentrales Problem ist das überalterte Schweizer Übertragungsnetz: Laut Jürg Rauchenstein von Elcom sind zwei Drittel der Strommasten in den nächsten Jahren ersatzbedürftig. Der Parlamentsdiskurs umfasst bereits Maßnahmen wie den sogenannten Netzexpress.
Elcom fordert, dass neue und zu erneuernde Leitungen als Freileitungen installiert werden sollten, um Verzögerungen bei der Erneuerung zu vermeiden. Zwar gibt es im Ständerat einige Gegner des EU-Stromabkommens, doch Landschaftsschützer sind dort rar – ein Lichtblick für Elcom-Präsident Luginbühl.