Das Image von Kunststoffrecycling ist oft nicht besonders gut, doch ein Betrieb am deutschen Rhein zeigt, wie aus Haushaltsabfall neue Plastikprodukte entstehen können. Direkt an der Industriehalle im idyllischen Rheinfelden fließt der Fluss vorbei, während innen Lärm und Geruch herrschen – Herausforderungen für die Mitarbeiter von Vogt-Plastic. Das Unternehmen spezialisiert sich auf Plastikrecycling in einer Dimension und Qualität, die es bisher einzigartig machen. Materialien kommen hauptsächlich aus Süddeutschland und dem Elsass; auch Schweizer Haushalte tragen bei, etwa durch Coop, der Verpackungsabfälle liefert. In der Halle schieben Lkw ständig Säcke mit Plastikmüll heran. Die gelbe Tonne ist in Deutschland ein bekanntes Symbol für die Entsorgung von Kunststoff-, Weissblech- und Aluminiumverpackungen seit den 1990ern, während die Schweiz erst im Rahmen der neuen Verpackungsverordnung ähnliche Schritte plant. Ein Radlader befördert die Abfälle in eine riesige Schredderanlage, wo sie auf fünf bis zehn Zentimeter große Stücke zerteilt werden. Eine Mitarbeiterin, Michelle Werner, betont bei Betriebsführungen für Schulen die Sicherheit trotz der Geräuschkulisse und des Gestanks. Andreas Vogt, Geschäftsführer der in zweiter Generation geführten Firma, hebt hervor, dass ständig in Brandschutz investiert wird. Brände sind eine Sorge; jährlich ereignen sich 15 bis 20 solcher Vorfälle allein in der Schweiz. Das Recycling von Haushaltabfall ist zweistufig: Zuerst erfolgt die Sortierung, dann die Aufbereitung für Wiederverwendung. Vogt-Plastic kombiniert beide Schritte unter einem Dach und vermeidet eine vorherige Vorsortierung. Anschließend werden nicht-kunststoffhaltige Materialien entfernt und diverse Technologien zur Trennung eingesetzt. Das Endprodukt ist Regranulat, welches in drei Schichten rund um die Uhr hergestellt wird. Wiederverwerteter Plastik findet hauptsächlich im Baubereich Verwendung, aber auch Vitra als Möbelhersteller setzt darauf. Vogt wünscht sich mehr Produkte aus recycelten Verpackungen, was an der Vielfalt der Kunststofftypen scheitert. Von 100 Kilo Abfall bleiben nur 58 Kilo für das Recycling übrig; der Rest wird als Ersatzbrennstoff genutzt. In Deutschland gibt es viele solcher Anlagen, während in der Schweiz erst wenige existieren. Der Wettbewerb ist hart, und geopolitische Krisen könnten Preise beeinflussen. Wachsende Sorge bereiten steigende Energiepreise, da die Produktion energieintensiv ist. Vogt kauft Strom am Spotmarkt ein, was angesichts der Pandemie teuer geworden sei. Damit bleibt das geopolitische Umfeld ein zweischneidiges Schwert für den Recyclingbetrieb.