Die Schweizer Leichtathletik erlebt einen Höhepunkt mit einem kompletten Medaillensatz und einem Weltrekord bei den Hallen-WM. Swiss Athletics plant bereits, diesen Aufwärtstrend fortzusetzen.
Audrey Werro, die 21-jährige Romande, hat ihre erste Medaille bei der Elite gewonnen – Silber über 800 Meter bei den Hallen-Weltmeisterschaften. Dieser Erfolg wäre vor einigen Jahren als Sensation gegolten, da Schweizer Leichtathletik-Medaillen bei großen Anlässen selten waren. Am Freitag feiert Werro ihren 22. Geburtstag. Sie gilt seit langem als außergewöhnliches Talent über diese Distanz und war oft knapp an einer Medaille vorbeigeschrammt.
Bei den Hallen-WM in Torun triumphierte sie eindrucksvoll, indem sie nur der Britin Keely Hodgkinson unterlag, die Olympiasiegerin und Weltrekordhalterin ist. Werro kämpfte um ihre Position, lief lange als Dritte und beschleunigte in der Schlussrunde, um souverän Silber zu sichern. Ihre Zeit von 1:56,64 Minuten setzte nicht nur einen Schweizer Rekord, sondern machte sie zur fünftschnellsten Läuferin über diese Strecke in der Halle.
Die Schweiz kehrte mit drei Medaillen von den Weltmeisterschaften zurück. Simon Ehammer gewann Gold im Siebenkampf und stellte einen neuen Weltrekord auf, während Angelica Mosertrotz einer Verletzung Bronze im Stabhochsprung holte – ihre fünfte internationale Medaille.
Ditaji Kambundji verfehlte jedoch erneut eine WM-Medaille: Sie belegte über 100 Meter Hürden den vierten Platz, nur knapp hinter der Weltrekordhalterin Devynne Charlton. Die Wettbewerbe zeigten das hohe Niveau im Frauen-Hürdensprint.
Die Leistungen in Torun bestätigen die Erfolgsserie nach den Hallen-EM des Vorjahres, bei denen vier Medaillen gewonnen wurden. Obwohl Mujinga Kambundji fehlte, demonstrierten die Platzierungen und Zeiten erneut das Potenzial der Schweizer Leichtathletik.
Die Förderung begann mit der Bewerbung für die Heim-EM 2014 in Zürich. Projekte wie der UBS Kids Cup tragen zur Talentförderung bei, was sich auch im Erfolg des Nachwuchses zeigt. Schweizer Athleten gewinnen regelmäßig Medaillen auf europäischer Ebene.
Um die finanziellen Grenzen zu überwinden, startete Swiss Athletics das Projekt “Next Level”, um Spitzenathleten besser zu unterstützen. Acht Athleten mit Chancen auf eine Olympiamedaille 2028 sind dabei, darunter die Kambundji-Schwestern und Werro.
Nach ihrem Erfolg am Sonntag zeigte sich Werro selbstbewusster. Sie hat ihre Leistung zwischen 2022 und 2025 erheblich gesteigert. Mit neuem Selbstvertrauen strebt sie bei den Europameisterschaften eine Medaille an.
Mit ihrer neuen Haltung – inspiriert von ihrem Vater, der ihr sagte: “Sei wie eine Löwin” – ist Werro bereit, Hodgkinson herauszufordern und den Weltrekord zu angreifen. Neue Konkurrenz kommt auch von Femke Bol, die auf die 800 Meter umsteigt.
Die neue Generation schweizerischer Leichtathleten zeichnet sich nicht nur durch Medaillengewinne aus, sondern auch durch ein starkes Selbstbewusstsein.