Jahrelang haben deutsche Politiker behauptet, die Kernenergie sei überholt und riskant. Nun erkennen sie jedoch die Schwierigkeiten ohne sie an. Nach der Abschaltung aller deutschen Atommeiler sieht EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen den Ausstieg als strategischen Fehler. Selbst frühere Grüne-Vertreter, wie Wirtschaftsstaatssekretär Patrick Graichen, plädieren nun für einen Neuanfang in der Energiepolitik. Deutschland hat die Energiewende mit über 200 Milliarden Euro gefördert und trotzdem hohe Strompreise verzeichnet. Der Strommix ist klimaschädlicher als erhofft, was auf unzureichende Infrastruktur zurückzuführen ist.
Zukünftige Herausforderungen erfordern den Ausbau von Netzen und Speichern sowie Lückenfüller für Zeiten ohne Wind oder Sonne. Industriestandorte wandern ab, da die Energiepolitik den Rückgang beschleunigt. Auch andere Länder folgen dem deutschen Beispiel: Spanien plant einen Atomausstieg bis 2035 und in der Schweiz wird über neue Gaskraftwerke versus Atomreaktoren diskutiert.
Die Kritik an Kernenergie basierte lange auf der Wahrnehmung hoher Risiken und Umweltfolgen. Diese Sichtweise beeinflusst weiterhin politische Entscheidungen, obwohl die Realität komplexer ist. Atomkraft liefert konstante Energie und reduziert Netzausbaubedarf. Die Herausforderung, radioaktiven Müll sicher zu lagern, steht im Verhältnis zum enormen Energiepotenzial von Uran.
Erneuerbare Energien sind nicht so umweltfreundlich, wie oft behauptet: Windräder und Solardächer benötigen viele Ressourcen und verändern Landschaften. Der Ausbau stagniert in der Schweiz, während Deutschland Solarpaneele auf Berghängen installiert.
Obwohl Reaktoren teuer zu bauen sein können, zeigen Projekte außerhalb Europas günstigere Alternativen. Eine Mischform aus Kernkraft und Erneuerbaren könnte effizienter sein. Europa muss die Notwendigkeit erkennen, in Kernenergie zu investieren, um seine Schwerindustrie zu erhalten.
Mit steigendem Energiebedarf für Elektromobilität, Haushalte und Technologien reichen Erneuerbare allein nicht aus. Europäische Länder sollten die Gelegenheit nutzen, in Kernforschung und neue Reaktortechnologien zu investieren. Der Bau von Kraftwerken der vierten Generation könnte das Abfallproblem mindern. Ein Mentalitätswandel ist erforderlich, um Risiken besser abzuwägen und eine ausgewogene Energiepolitik zu fördern.