Um alte Satelliten sowie Raketenteile sicher zu entsorgen, wird sie in der Erdatmosphäre verglühen gelassen. Dieser Prozess findet zwischen 50 und 90 Kilometern Höhe statt, wo durch hohe Reibungshitze die Objekte sich auflösen. Obwohl dies zur Reduktion von Weltraumschrott beiträgt, hinterlassen diese Verglühungen Gase und Partikel in der Atmosphäre.
Früher galten solche Emissionen als unbedeutend, doch im Vergleich zu Luftfahrtemissionen sind sie nur ein kleiner Teil. Die rasante Zunahme von Satelliten durch private Raumfahrtunternehmen wie SpaceX hat die Menge der Satelliten auf etwa 14.500 vervielfacht – das sind zehnmal mehr als vor einem Jahrzehnt. Diese Entwicklung führt auch zu einem Anstieg des Weltraumschrotts.
Der deutsche Physiker Gerd Baumgarten äußert Bedenken über die Auswirkungen der Raumfahrtrückstände in den höheren Luftschichten, wo sie weniger verdünnt werden. Er erklärt: «Eine Tonne Material in 75 Kilometer Höhe hat dieselbe Wirkung auf die Luftqualität wie das Freisetzen von 100.000 Tonnen am Boden.» Claudia Mohr, Atmosphärenchemikerin an der ETH Zürich und dem Paul Scherrer Institut, ergänzt: «Neue chemische Komponenten werden in die Atmosphäre eingeführt, was die Ozonschicht, Temperatur und Luftbewegungen beeinflussen kann.»
Besonders kritisch ist hierbei das Aluminiumoxid, welches bei der Verglühung entsteht und als schädlich für die Ozonschicht bekannt ist. Auch Raketenruss könnte nicht nur die Ozon-Schicht schädigen, sondern auch durch Erwärmung Einfluss auf das Klima nehmen.
Rund 20 Stoffe, darunter Lithium, Kupfer oder Blei, werden bei der Verglühung in die Atmosphäre gebracht und könnten Umweltprobleme verursachen. Die genauen Prozesse und kritische Mengen dieser Rückstände sind jedoch noch unklar, da direkte Messungen aufgrund der hohen Lage schwierig sind.
Die Europäische Weltraumorganisation (ESA) erforscht die Verglühung ihrer Satelliten. 2024 wurde ein solcher Vorgang von einem Forscherteam in einem Flugzeug beobachtet, wobei vor allem Aluminium und Lithium registriert wurden. Weitere Untersuchungen sind für 2026 geplant.
Die NASA führte 2022 und 2023 Messflüge über Alaska durch und stellte fest, dass zehn Prozent der Aerosole in Höhen bis zu 19 Kilometern Raumfahrtemissionen enthielten – ein überraschend hoher Wert. Forscher des Leibniz-Instituts für Atmosphärenphysik konnten kürzlich eine Lithium-Schadstoffwolke über Europa nachweisen, die von einer abgestürzten Raketenhülle stammte.
Gerd Baumgarten sieht Potential in einem neuen Messsystem, das kostengünstiger Lithium messen kann. Er plant zusammen mit Kollegen die Ausweitung auf andere Metalle und bessere Wettermodelle zur genaueren Ortung von Raumfahrtrückständen. Dies könnte weltweit ein Monitoring solcher Emissionen ermöglichen und die sichtbaren Auswirkungen dieser unsichtbaren Abfälle besser verstehen lassen.
Radio SRF 1, Echo der Zeit, 16.3.2026, 18:00 Uhr