Die Untersuchungen von PFAS-Belastungen in Appenzell Ausserrhoden wurden durch den sogenannten «Amcor-Fall» im benachbarten Kanton St. Gallen ausgelöst, bei dem PFAS-haltige Substanzen aus Löschschaum eines Verpackungskonzerns in die Umwelt gelangten. Dies führte zu erhöhten Belastungen im Nordosten und nahe der Grenze zu Appenzell Ausserrhoden.
Im Oktober startete der Kanton eine Untersuchung, bei der Landwirtschaftsbetriebe dazu aufgerufen wurden, Milch und Tränkwasser freiwillig analysieren zu lassen. Die Auswertungen erfolgten durch das interkantonale Labor in Schaffhausen. Nun liegen die Ergebnisse vor.
PFAS, oft als «Ewigkeitschemikalien» bezeichnet, sind chemische Stoffe, die sich kaum abbauen und lange in der Umwelt verbleiben. Sie fanden über Jahrzehnte Anwendung in zahlreichen Produkten wie wasserabweisender Kleidung und beschichteten Pfannen (Teflon) sowie Löschschaum.
Einige dieser Stoffe gelangten durch industrielles Abwasser in Kläranlagen, deren Schlamm vor rund 40 Jahren als Dünger verwendet wurde. Dadurch konnten PFAS in die Böden und letztendlich über Gras oder Trinkwasser der Tiere in die Nahrungskette gelangen.
Bei 58 Betrieben wurden PFAS-Werte in der Milch festgestellt, die den EU-Richtwert von 0.02 Mikrogramm pro Kilogramm überschritten. Die Werte variierten dabei stark. Auch bei neun nicht-milchproduzierenden Betrieben waren erhöhte Werte im Tränkwasser zu beobachten. Insgesamt beteiligten sich 169 Betriebe an der Untersuchung.
Obwohl es keine flächendeckenden Probleme gibt, zeigen die Daten deutlich erhöhte Belastungen in zwei Regionen: im Vorderland nahe St. Gallen und im Mittelland rund um Bühler AR. Lokale Altlasten aus industriellen Abwässern gelten als wahrscheinliche Ursache.
Trotz fehlender gesetzlicher Höchstwerte für PFAS in Schweizer Milch wurde der EU-Richtwert zur Bewertung herangezogen. Ab 2027 plant die EU verbindliche Höchstwerte, die auch auf die Schweiz zutreffen könnten.
Dies könnte dazu führen, dass belastete Schweizer Lebensmittel wie Milch oder Käse nicht mehr in der EU verkauft werden dürfen. Die 67 betroffenen Betriebe sollen nun genauer untersuchen lassen, woher die erhöhten PFAS-Werte stammen. Der Kanton unterstützt dies mit vertieften Untersuchungen und stellt dafür rund 770’000 Franken bereit.
Es wird nun vom Bund gefordert, praxisnahe Lösungen statt vorschneller Verbote zu schaffen, um den Betrieben Anpassungszeit bis zur Einführung der neuen Höchstwerte zu geben. So soll verhindert werden, dass die Existenz mancher Betriebe im Appenzellerland gefährdet wird.
SRF 4 News, 26.3.2026, 10 Uhr