Die Entdeckung von PFAS in höheren Mengen in Milch hat zu Besorgnis geführt, da diese Chemikalien als potenziell gesundheitsschädlich gelten. Die Textilfirma Bäumlin & Ernst AG aus Wattwil, St. Gallen, zusammen mit der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa), hat eine bahnbrechende Lösung entwickelt: Eine Beschichtung für Garne ohne den Einsatz von PFAS. Die Firma produziert wasserabweisende Garne aus Polyester oder Nylon, die in verschiedenen Produkten wie Kleidung, Lautsprechergehäusen und Feuerwehrschläuchen Verwendung finden.
PFAS, eine Gruppe langlebiger chemischer Stoffe, waren lange Zeit unverzichtbar für ihre speziellen Eigenschaften. Diese «Ewigkeitschemikalien» wurden in vielen Alltagsprodukten eingesetzt und gelangten über Kläranlagenabwasser auf landwirtschaftliche Flächen. Von dort aus verbreiteten sie sich durch Gras, Trinkwasser und letztlich die Nahrungskette.
Die Innovation basiert auf einer neuen Anlage, die Garne in Vakuumkammern einzeln beschichtet. Hierbei wird ein spezielles Gas in Plasma zersetzt, wodurch Teilchen entstehen, die sich als dünne Schicht auf den Fasern ablagern. Manfred Heuberger von der Empa erklärt, dass diese Technologie es ermöglicht, dass die Beschichtung auch nach mehrfachen Waschvorgängen stabil bleibt.
Die Entwicklung dieser neuen Methode dauerte zwischen 15 und 20 Jahre und erforderte Investitionen in Höhe von etwa zwei Millionen Franken. Obwohl der Fortschritt bedeutend ist, wird ein vollständiger Abschied von PFAS nicht kurzfristig möglich sein, da sie fest in vielen Industrien verankert sind.
Umweltchemiker Martin Scheringer von der ETH betont, dass es sich zwar um keinen technischen Hürden, sondern eher um wirtschaftliche und systemische Trägheiten handelt. Dennoch gibt das Beispiel Bäumlin & Ernst Hoffnung: Geschäftsführer Bernd Schäfer sieht aufgrund neuer gesetzlicher Beschränkungen für PFAS einen dringenden Bedarf an Alternativen. Die Firma ist bestrebt, technologisch mitzuhalten und neue Marktchancen zu erschließen.
Nach über 125 Jahren Firmengeschichte setzt Bäumlin & Ernst auf Innovation als Weg der Weiterentwicklung und sieht darin die Möglichkeit, weiterhin erfolgreich am Markt agieren zu können. Die Entwicklungen könnten somit nicht nur gesundheitliche Vorteile bringen, sondern auch den technologischen Fortschritt in der Textilindustrie vorantreiben.