“Ich bin schon in einem fortgeschrittenen Alter, aber noch einigermassen rüstig”, sagt Georg Willi lachend. Sein Gehör hat nachgelassen – “neben den Augen das wichtigste Sinnesorgan für Ornithologen” – doch seine Leidenschaft für Vögel ist ungebrochen geblieben. In Rheineck, nahe dem vorarlbergischen Rheindelta, verbrachte er als Kind Stunden im Röhricht auf der Suche nach seltenen Vogelarten und genoss die Stiche von Mücken. Ein ornithologisch begeisterter Primarlehrer vertiefte diese Leidenschaft mit Exkursionen – eine Begeisterung, die bis heute anhält.
Heute ist Georg Willi im Liechtensteinischen Ornithologischen Landesverband (LOV) aktiv, der 1960 gegründet wurde. Nach der Ausgliederung der Kleintierzucht liegt der Fokus nun auf Natur- und Vogelschutz. Fünf lokale Vereine setzen sich mit Biotopaufwertungen, Pflege von Kleinstrukturen, Nisthilfen sowie Weiterbildungen und Jugendförderung für den Schutz der Vogelwelt und die Förderung der Biodiversität ein.
Waren es 1950 noch 124 bekannte Brutvogelarten in Liechtenstein, sind es heute bereits 139. “Man könnte also meinen, alles sei in bester Ordnung”, sagt Willi. Doch tatsächlich tauschen wir Vielfalt gegen Anpassungsfähigkeit aus. Robuste Arten nehmen zu, während empfindlichere Spezialisten verschwinden. Feuchtgebietsarten wie die Bekassine und der Große Brachvogel sowie Bodenbrüter wie Feldlerche und Grauammer oder Zugvögel wie Kuckuck und Wendehals sind selten geworden oder verschwunden. Dennoch gibt es auch positive Beispiele.
Wenn Lebensräume wiederhergestellt werden, kehren die Vögel zurück. Der Eisvogel profitiert von renaturierten Gewässern. Im Ruggeller Riet hat die Wiedervernässung zur Ansiedlung des Rohrschwirls und Drosselrohrsängers als Brutvögel geführt. Auch Weissstorch und Rotmilan haben sich erholt – zwei Arten, die bei der Futtersuche sogar von intensiv genutzten Flächen profitieren.
Was er an Vögeln «tierisch gut» findet? Ihr Verhalten, sagt Willi und zitiert die Bibel: “Seht die Vögel unter dem Himmel an: Sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater ernährt sie doch.” Für ihn ist das eine Einladung zu mehr Dankbarkeit und weniger Gier. Die Natur sei nicht nur eine ethische Verpflichtung, sondern unsere Lebensgrundlage, betont er. Studien zeigen zudem, dass Vogelbeobachtung Stress abbaut, Entspannung fördert und sogar Ängste lindern kann.
Für Georg Willi beginnt der Vogelschutz im Alltag. Sein Appell ist einfach: Wegegebot respektieren, Hunde anleinen, Winterruhezonen einhalten. “Das klingt banal, ist aber entscheidend, damit Vögel ungestört brüten können.” Wer einen Garten hat, kann mit naturnaher Gestaltung und Nistkästen viel bewirken. Ein Nest mit Jungen im eigenen Garten ist für viele das Highlight.
Und wer mag, kann sich auch bei Arbeitseinsätzen oder Aktionen für die Natur einbringen, so der Ornithologe. Fliegen bedeutet Freiheit, Weite und Abenteuer – “genau das, wofür wir Vögel bewundern, doch wir legen ihnen immer mehr Steine in den Weg: Wir zerstören Brutplätze und verbauen Lebensräume”. Sein Wunsch ist mehr Rücksichtnahme. Der LOV und seine Mitgliedervereine setzen sich dafür ein und hoffen, dass sich noch viele mehr vom “Virus des Vogelschutzes” anstecken lassen.
Nähere Informationen gibt es unter lov.li.