Der Geschäftsführer Carsten Franzke vom Agrochemiepark Piesteritz sieht sich mit der Herausforderung konfrontiert, nicht durch globale Unsicherheiten oder steigende Energiepreise bedrängt zu werden – sondern vielmehr durch europäische Regulierungen. Angesichts von Krieg und gestörten Lieferketten sind für ihn die Sonderkosten in Europa das Hauptproblem, da sie den Wettbewerb erschweren. Franzke, der seit Jahrzehnten im Unternehmen SKW Piesteritz tätig ist, befürchtet eine Verdreifachung der Kosten durch CO₂-Regulierungen. Die EU-Kommission versucht zwar, den Emissionshandel anzupassen, doch aus seiner Sicht bleibt die grundsätzliche Problematik bestehen. Als langjähriger Manager mit Wurzeln in Wittenberg beschreibt er die fundamentale Bedeutung des Unternehmens für die Region: rund zehntausend Arbeitsplätze hängen direkt und indirekt von der Produktion ab. SKW Piesteritz nutzt Erdgas als Basisrohstoff, um Ammoniak zu produzieren, das wiederum in Düngemittel umgewandelt wird – ein Prozess, dessen Ausfall weitreichende Folgen hätte. Die europäischen Umweltauflagen drohen die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens zu gefährden. Franzke betont, dass Investitionen in Nachhaltigkeit unter den aktuellen Bedingungen kaum tragbar sind und drängt auf eine zeitlich befristete Begrenzung der CO₂-Kosten. Politische Entscheidungsträger sprechen von langfristigen Zielen, während Unternehmen wie SKW Piesteritz kurzfristige Überlebenssicherheit benötigen. Diese Diskrepanz führt zu Unsicherheiten über Investitionen und Modernisierungen. Im politischen Klima Sachsens-Anhalts, geprägt von der starken Präsenz der AfD, spüren Unternehmen wie SKW die Dringlichkeit einer Anpassung an die Bedürfnisse des Mittelstands. Franzke betont, dass schnelle und klare Entscheidungen nötig sind, um den Betrieb kurzfristig zu sichern und langfristig tragfähig aufzustellen.