Jürg Schweizer vom Institut für Schnee- und Lawinenforschung führt die ungewöhnlich hohen Lawinentoten in diesem Winter auf das sogenannte Altschneeproblem zurück. In Österreich, Italien und Frankreich gab es jeweils über 30 Todesopfer. Schweizer betont, dass die Situation dieses Winters nicht mit dem Klimawandel zu erklären ist, sondern durch spezifische Wetterbedingungen entstand.
Die Lawinengefahr hat sich im ganzen Alpenraum auf ungewöhnlich hohe Niveaus gesteigert. Schweizer zufolge bildeten sich schwache Schichten aus großen, kantigen Kristallen bereits im Dezember. Diese Schichten stabilisierten sich kaum und blieben lange gefährlich.
Die Kritik am Klimawandel als Ursache verneint Schweizer: “Es ist der Witterungsverlauf, der entscheidend war.” Er erwartet eine Abnahme solcher Schwachschicht-Bildungen im weiteren Verlauf des Jahrhunderts aufgrund klimatischer Erwärmung.
Eine Stabilisierung dieser Schichten hätte nur durch anhaltende Regenfälle vor dem Überschneien erreicht werden können, was in diesem Winter nicht geschah. Die massiven Lawinenaktivitäten begannen nach den ersten intensiven Schneefällen ab Mitte Januar.
Die mediale Aufmerksamkeit ist hoch, insbesondere da die Diskussion über Sicherheitsmaßnahmen im freien Skiraum in Ländern wie Österreich zunimmt. Schweizer betont jedoch, dass Prävention durch Bewusstsein und Eigenverantwortung erfolgen sollte.
Seit den 1990er Jahren hat sich das Verständnis und die Prognose von Lawinen deutlich verbessert, so Schweizer. Heute sind numerische Wettermodelle entscheidend für Prognosen in Schneefallperioden. Obwohl exakte Vorhersagen über einzelne Lawinen nicht möglich sind, liegt die Trefferquote bei etwa 75 bis 80 Prozent.
Die verbesserte Risikowahrnehmung und Ausbildung tragen dazu bei, dass trotz mehr Menschen im freien Skiraum die Zahl der Todesfälle relativ stabil bleibt. Schweizer hebt hervor, dass es selten zu Unfällen kommt, wenn die Lawinengefahr auf der höchsten Stufe liegt.