Jürgen Klopp wird sowohl in Liverpool als auch in Dortmund kultisch verehrt, obwohl ihm Gelassenheit scheinbar fremd ist. Der Deutsche reagiert sensibel auf Spekulationen über eine Rückkehr zum Traineramt und einen Abschied als Funktionär im Red-Bull-Konzern.
Kürzlich machte ein Video in den sozialen Medien die Runde, das Klopp bei einem Benefizspiel für Veteranenteams von Liverpool FC und Borussia Dortmund zeigt. Obwohl er als Coach für Liverpool auftrat und das Spiel mit 2:2 endete, stand nicht der Spielausgang im Mittelpunkt. Vielmehr wurde deutlich, wie enthusiastisch sein Empfang an seiner früheren Wirkungsstätte war. Der Klubheld begrüßte nicht nur ehemalige sportliche Mitarbeiter, sondern auch das Bodenpersonal.
Der Besuch schien zu zeigen, dass das Verhältnis zwischen Klopp und den „Reds“ noch immer stark ist. Er verließ Liverpool im Mai 2024 ohne Titelgewinn, nach einer enttäuschenden Meisterschaftssaison gegen Pep Guardiolas Manchester City. Sein Nachfolger, Arne Slot, wurde von ihm mit der Melodie des Evergreens “Live is Life” vorgestellt. Trotz seiner erfolgreichen ersten Saison hat Slot eine schwierige Zeit hinter sich.
Klopps Rückkehr erinnerte an eine glorifizierte Ära in Liverpool, obwohl im Profifußball selten Verhältnisse von mehr als einer Dekade gegeben sind. Klopp wechselte nie häufig seine Arbeitgeber und blieb so lange wie möglich, bis sich bessere Chancen ergaben oder die Potenziale ausgeschöpft waren.
Nach seinem Weggang von Liverpool mit 57 Jahren, als er zu den begehrtesten Trainern gehörte, wunderten sich viele über seine Entscheidung, Head of Global Soccer beim Red-Bull-Konzern zu werden – ein Schritt, der bei vielen als Verrat an seinen eigenen Werten gesehen wurde. Die Erwartungen an Klopp waren oft unrealistisch; er war nicht nur ein begeisternder Mitreißer, sondern auch ein geschäftstüchtiger Manager.
Als Gerüchte aufkamen, dass Klopp in seiner neuen Funktion Kritik ausgesetzt sei und Interesse von Real Madrid bekundet wurde, wies er diese zurück. Er kritisierte die Medien für unwahre Berichte und machte klar, dass er sich nicht zu allem äußern müsse.
Klopp hat in Dortmund seine Verbindung zur Vergangenheit immer wieder betont, etwa bei einer Buchpräsentation von Hans-Joachim Watzke. Die Frage bleibt, ob er die gleichen Maßstäbe an sich selbst anlegt wie an andere. Klopp wurde stets als integre Figur beschrieben; Neven Subotic lobte ihn dafür, dass er ihm offen kommunizierte und seine Versprechen hielt.
Dennoch gab es Momente der Enttäuschung: Nach dem Champions-League-Finale 2018 gegen Real Madrid schützte Klopp seinen Torhüter Loris Karius nicht bedingungslos. In der Öffentlichkeit agierte er oft defensiv und kritisierte Kollegen wie Jupp Heynckes oder Matthias Sammer.
Heute steht Klopps Rolle im Red-Bull-Kosmos unter Beobachtung, da die Klubs des Konzerns hinter den Erwartungen zurückbleiben. Wie lange er diese Position beibehält, bleibt offen. Klopp selbst ließ eine Rückkehr auf die Trainerbank nicht vollständig ausschließen und hat sich bei einem Besuch in Liverpool rückversichert, dass er dort immer willkommen ist.