Immer häufiger setzen Händler auf KI-Technologie bei Selfcheckouts, einschließlich eines neuen Systems, das ganze Warenbündel erkennt. Zudem dient die Technologie der Diebstahlprävention.
Eine Nau.ch-Leserin, Federica K.* (38), war verwundert, als sie in einer Zara-Filiale am Bahnhof Zürich statt einer Kassiererin auf ein modernes KI-Kassensystem traf. “So etwas habe ich noch nie gesehen”, berichtet sie. “Ich konnte das System nicht verstehen und bat eine andere Kundin um Hilfe.”
Das System funktioniert so: In einer Mulde werden alle gewünschten Kleidungsstücke gleichzeitig platziert, die KI erkennt in Sekundenbruchteilen Shirts, Kleider oder Hosen – ohne dass jedes einzelne gescannt werden muss. Federica bestätigt daraufhin am Bildschirm, ob die Erkennung korrekt war. Anschließend kann sie mit Handy, Karte oder Bargeld bezahlen. Für eine Quittung ist die Angabe einer Handynummer oder E-Mail-Adresse erforderlich.
Diese Methode hat einen Vorteil: Wer stiehlt, gibt sich selbst zu erkennen. Federica kommentiert gegenüber Nau.ch: “Es dauerte eine Weile, bis ich den Ablauf verstanden hatte. Allerdings ist es viel einfacher als beim herkömmlichen Self-Checkout, wo man Artikel einzeln einscannen muss.”
Was Federica in Zara erlebt hat, ist mittlerweile keine Ausnahme mehr: Zahlreiche Geschäfte integrieren KI-gestützte Systeme an ihren Selfcheckouts. Eine Studie des Gottlieb Duttweiler Instituts zeigt, dass 80 Prozent der Detailhändler bis 2030 KI einsetzen wollen – auch in den Filialen.
Zara antwortet nicht auf Anfragen von Nau.ch, doch es wird angenommen, dass die Modekette auf RFID-Technologie setzt. Bei RFID (Radiofrequenz-Identifikation) identifizieren Funkchips in Etiketten Kleidungsstücke kontaktlos.
Decathlon bestätigt ebenfalls den Einsatz von RFID in allen Schweizer Filialen. C&A erhielt 2025 eine Auszeichnung für seine RFID-Kassen, die in der gesamten Schweiz verwendet werden, wie ein Sprecher gegenüber Nau.ch mitteilte.
Coop nutzt seit rund einem Jahr KI-Systeme an den Selfcheckouts zur Diebstahlprävention. Diese erkennen, wenn Produkte nicht eingescannt werden. Lidl kündigte an, dass seine neuen KI-Kassen keine RFID-Funktechnologie nutzen, sondern Früchte und Gemüse beim Wiegen identifizieren sollen.
Langfinger sind in der Branche ein bekanntes Problem. 2018 verzeichnete die Kriminalstatistik einen Anstieg von Ladendiebstählen, wobei Selfcheckout-Kassen als einer der Gründe genannt wurden. Die Verbreitung hat seitdem nicht nachgelassen.
Selbst Zukunftsforscher Georges T. Roos sieht diese Entwicklung kritisch: “KI-Technologien im Selfcheckout-Bereich können problematisch sein, da sie Vorbehalte und Skepsis gegenüber der Überwachung verstärken könnten.” Er betont, dass viele Tech-Gurus früher zur Privatsphäre aufgerufen haben – ein Anliegen, das auch heute noch relevant sei.
Verschiedene Händler nutzen KI bereits im Hintergrund oder online. Coop setzt beispielsweise eine Einkaufslisten-App mit KI ein, während Denner einen KI-Putzroboter hat. Emilia, eine KI-Mitarbeiterin bei Coop, berät Kunden als menschenähnliches Hologramm.
Roos prognostiziert zunehmende KI-Anwendungen im Einzelhandel – sowohl hinter den Kulissen als auch im direkten Kundenkontakt. Er ist überzeugt: “KI-Kundenberatung hat eine große Zukunft.”
*Name von der Redaktion geändert