Der persische Golf steht unter erheblichem ökologischem Druck, hauptsächlich aufgrund der umfangreichen Förderung von Erdöl und Erdgas. Die Region ist nun besonders bedroht durch die Umweltfolgen des aktuellen Konflikts. Zu den Gefahren zählen Lecks aus bombardierten Öltankern, brennende Lagerstätten, austretende Chemikalien sowie explodierende Munition.
Die Nichtregierungsorganisation «Conflict and Environment Observatory» hat in den letzten Wochen seit Kriegsbeginn über 400 solcher Ereignisse untersucht und versucht deren Umweltauswirkungen abzuschätzen. Besonders besorgniserregend sind die Angriffe auf unterirdische Einrichtungen zur Produktion ballistischer Raketen im Iran. Diese Einrichtungen verwenden häufig umweltschädliche Treibstoffe, erklärt Doug Weir, Direktor der Organisation. Bei Angriffen können diese unter dem Boden erhebliche Schäden verursachen, etwa am Grundwasser.
Laut einem Bericht der UNO-Universität stand der Iran zu Jahresbeginn bereits vor einer «Wasserkrise». Dürreperioden, verstärkt durch den Klimawandel und ineffizientes Wassermanagement, führten in Teheran zeitweise zum Ausfall des Wasserleitungsnetzes. Der Konflikt verschärfte die Situation zusätzlich: Die Entsalzungsanlagen der Golfstaaten sind durch direkte Angriffe oder verseuchtes Meerwasser gefährdet, so Weir.
Die Organisation analysiert Satellitenbilder und Social-Media-Posts, um zum Umweltschutz beizutragen – sowohl im Nahostkonflikt als auch in anderen Kriegsgebieten wie der Ukraine. Jeder Konflikt bringt unterschiedliche ökologische Probleme mit sich; allerdings sind Öl- und Gasanlagen häufig Ziel von Angriffen.
Der Persische Golf ist bereits stark belastet durch regelmäßige Lecks von Öltankern und vergangene Kriege. Dennoch existieren noch Korallenriffe, Seegraswiesen sowie eine reiche Biodiversität, die es zu schützen gilt, wie Weir betont.
Im Iran führen zahlreiche Brände in städtischen Gebieten zu einem hohen Ausstoß von Schadstoffen. Diese bleiben aufgrund der Topografie rund um Teheran lange in der Luft und belasten die Atemwege der Einwohner, so Weir.
Der Umweltschützer ist überzeugt, dass die ökologischen Folgen im Iran auch nach Beendigung des Konflikts noch spürbar sein werden. Dies liegt daran, dass den Behörden Umweltbelange kaum Priorität eingeräumt werden.
Rendez-Vous, 08.04.26, 12.30 Uhr; noes;schc