Die traditionellen Begriffe für Grosseltern stoßen bei den Babyboomern (Jahrgänge 1946 bis 1964) auf Ablehnung. Über die Hälfte der Menschen zwischen 65 und 80 Jahren in der Schweiz ist gemäß dem Bundesamt für Statistik Großelternteil. Dennoch hinterfragen viele dieser Generation ihren neuen Status als Großeltern.
Peter Burri Follath von Pro Senectute erläutert gegenüber Nau.ch, dass Begriffe wie «Grosi», «Oma» oder «Opi» zwar noch gebräuchlich sind, jedoch zunehmend in Frage gestellt werden. Dies hängt mit einem veränderten Altersbild zusammen.
«Großeltern fühlen sich heute häufig fitter und aktiver als frühere Generationen», erklärt Burri Follath. Sie empfinden sich deshalb nicht unbedingt durch altersbezogene Begriffe repräsentiert, was zu einer Präferenz für alternative Bezeichnungen in manchen Familien führt.
Die Wahl der Bezeichnung ist oft eine Frage des persönlichen Empfindens und der familiären Kultur. Vornamen, Kosenamen oder individuell vereinbarte Spitznamen werden häufiger als klassische Begriffe bevorzugt. Internationale Namen wie «Nonna», «Grandma» sowie kreative Eigenkreationen sind ebenfalls verbreitet.
Diese Bezeichnungen entstehen oft im Dialog zwischen Großeltern und Eltern, während auch die Enkel später Einfluss darauf nehmen können. Die Wahl soll Nähe zum Ausdruck bringen und zur Persönlichkeit der Großeltern passen.
Laut Pro Senectute verändert die längere gesunde Lebensphase das gesellschaftliche Bild vom Alter grundlegend. Das «Alt sein» wird weniger mit Rückzug, sondern mehr mit Aktivität assoziiert. Bezeichnungen für Großeltern werden bewusster ausgewählt und spiegeln ein modernes, positives Altersbild wider.
François Höpflinger, ein Generationenforscher, bestätigt den Rückgang klassischer Begriffe wie «Grossmami» und «Grosspapi». Vornamen oder Kosenamen sind in der Tendenz beliebter. Die traditionelle Großmutterfigur mit grauem Ribeli, die strickt und Kuchen bäckt, identifiziert sich nicht mehr damit.
Ein Teil aktiver Großeltern nutzt den Kontakt zu ihren Enkeln, um sich jung zu fühlen, so Höpflinger. Studien belegen dies. Dreiviertel der Großeltern übernehmen regelmäßig oder gelegentlich die Betreuung ihrer Enkelkinder; fast die Hälfte von ihnen kümmert sich mindestens einmal pro Woche um sie. Dabei sind Grossmütter häufiger beteiligt als Grossväter.
Höpflinger beschreibt das 21. Jahrhundert als «Zeitalter der Großmütter», da die Zahl der Großeltern aufgrund des Geburtenrückgangs überwiegt und sich die gemeinsame Lebenszeit zwischen Großeltern und Enkeln verlängert hat.
Früher, zu Beginn des 20. Jahrhunderts, waren bei der Geburt eines Enkelkindes oft schon die Hälfte der Großeltern verstorben; heute haben fast alle Kinder vier Groß- oder Stiefgroßelternteile. Für Höpflinger ist das Verschwinden traditioneller Spitznamen kein Problem, da Grosseltern nie eine Erziehungsverantwortung hatten und die Generationenlücke klar definierte Rollen mit sich brachte.