Marco Odermatt beschreibt das ständige Erwartungsdruckgefühl als sowohl Fluch als auch Segen. Fans und Teamkollegen erwarten von ihm regelmäßig Spitzenleistungen, und er selbst sieht sich als Favoriten bei Rennen. ‘Wenn alles nach Plan läuft, kann ich jedes Rennen gewinnen’, so Odermatt. Jedoch hält er dagegen: Eine Platzierung, die nicht an der Spitze ist, sei keine Niederlage per se, besonders wenn man berücksichtigt, dass er im Riesenslalom in Milano Cortina Silber errang, obwohl das Training in dieser Disziplin schwierig war. Er bezeichnet diese Situation als ‘Luxusproblem’.
Für Spitzensportler wie Odermatt ist die permanente Leistungsbestätigung eine Herausforderung. Auch er gesteht: ‘Es ist immer einfacher gesagt als getan.’ Er zieht Parallelen zu ehemaligen Sportlegenden wie Roger Federer und Marcel Hirscher, der ihn aktuell um drei Kristallkugeln im Gesamtweltcup übertrumpft. Hirscher gab zu, dass er es versäumt habe, gegen Ende seiner Karriere Veränderungen zuzulassen – ein Fehler. Im Gegensatz dazu suchte Federer stets nach neuen Reizen und änderte beispielsweise sein Tennisschlägermodell.
Severin Lüthi, Trainer von Federer, betont die Wichtigkeit der Bereitschaft zur Veränderung, selbst wenn man damit viel Erfolg hatte. Der Athlet sollte eigene Veränderungswünsche entwickeln: ‘Viele Dinge muss man in sich selber finden.’ Bei Odermatt wird kein Materialwechsel diskutiert, aber er hat einen neuen Konditionstrainer ab der Saison 2024/25 – Alejo Hervas tritt an die Stelle von Kurt Kothbauer. Diese Veränderung war ‘gut für den Kopf’, um neue Übungsmöglichkeiten zu erkunden.
Odermatt wird vor allem durch Emotionen motiviert: Die Freude und Erlösung nach einem Superlauf sind einzigartig im Spitzensport. Jede Saison bringt neue Herausforderungen mit sich, da das Niveau stetig steigt und die Materialentwicklung fortwährend neue Anpassungen erfordert. Odermatt trainierte zudem zum ersten Mal auf der Riesenslalom-Piste in Crans-Montana, wo im nächsten Winter die Heim-WM stattfinden wird – ein weiterer Neuer Reiz und eines seiner großen Ziele.
Der Erfolgshunger bleibt ungebrochen. Odermatt stimmt Granit Xhaka zu: ‘Wenn man Titel holt, will man immer mehr.’ Dieses Streben nach noch größerem Erfolg zeichne die Besten aus.