In welchen Sektoren hat China die Nase vorn? Nicht länger Tesla dominiert den weltweiten Verkauf von Elektroautos: Seit dem vergangenen Jahr ist es BYD aus China. Bereits davor hatte sich die chinesische Industrie in der Fotovoltaik an die Spitze vorgearbeitet. Auch im Bereich Künstliche Intelligenz spielt das Land eine führende Rolle. Im letzten Jahr präsentierte China mit «Deepseek» einen Chatbot, der den US-Modellen in der Leistung ähnlich ist und zu einem Bruchteil der Kosten entwickelt wurde. Neu strebt China auch die Führungsrolle in der Quantentechnologie an. Diese Liste ist nicht vollständig.
Wie kam es dazu? Dieser technologische Aufstieg war keine Überraschung, sondern das erklärte Ziel der kommunistischen Regierung. Mit der Strategie «Made in China 2025» investiert die Regierung riesige Summen in ausgewählte Technologien. Die Historikerin Ariane Knüsel von der Universität Freiburg untersucht chinesisch-schweizerische Beziehungen und erklärt, es gehe um wirtschaftliche Unabhängigkeit: «Man will technologisch so weit sein, dass die Welt hinter einem zurückbleibt.»
Im Jahr 2015 verkündete die kommunistische Regierung die Strategie «Made in China 2025». Bis zum 100. Gründungstag der Kommunistischen Partei im Jahr 2049 will China in mehreren Schlüsseltechnologien führend sein. Die Strategie ist in Phasen gegliedert: Zunächst sollen Produkte besser und wettbewerbsfähiger werden (2025), dann mit den führenden Industrienationen mithalten können (2035) und schließlich selbst eine führende Industriemacht werden (2049). Zu den festgelegten zehn Schlüsseltechnologien gehören unter anderem Elektrofahrzeuge, Robotik sowie Luft- und Raumfahrt.
Wie viel exportiert China heute? Mehr als jemals zuvor. Im Jahr 2025 exportierte China Waren im Wert von 3,8 Billionen US-Dollar. Zwar brach der Handel mit den USA um 20 Prozent ein aufgrund der Zollstreitigkeiten, jedoch wuchs der Handel mit Südostasien, Afrika und Europa. Mit seinen 1,4 Milliarden Einwohnern ist China zum weltweit größten Exporteur geworden, gefolgt von den USA und Deutschland.
Was bedeutet das für den Technologiestandort Schweiz? Aktuell sei die Entwicklung laut Ariane Knüsel noch günstig. «China benötigt nach wie vor stark Schweizer Know-how und Schweizer Technologie.» Jedoch werde sich dies in fünf bis zehn Jahren ändern, falls China seinen Plan umsetzt: «Dann wird es für Schweizer Unternehmen sehr schwierig werden, sich im hochtechnologischen Sektor in China zu behaupten.» Hinzu kommt Chinas Bestreben, weltweit zu exportieren, was die Konkurrenz weiter verstärkt.
Der Boom nach außen geht nicht mit einem entsprechend höheren Wohlstand für die Chinesinnen und Chinesen einher. SRF-Korrespondent Lukas Messmer berichtet über die schwierige Lage: «Die Löhne stagnieren, Universitätsabsolventen finden kaum Arbeit, und der Immobilienmarkt verliert weiter an Wert.» Zudem ist der private Konsum schwach. «Wer Geld hat, spart es für bessere Zeiten.”
Was bleibt zu tun? Knüsel rät zur Unentbehrlichkeit: «Es gibt mehrere Möglichkeiten für Unternehmen, sich unentbehrlich zu machen.» Kooperationen mit chinesischen Partnern oder Hochschulen seien denkbar. Auch Joint Ventures könnten eine Option sein. Schweizer Firmen dürften China nicht länger nur als Markt ansehen. Die Lage sei ernst: «Es ist fünf vor zwölf. Wer jetzt nicht aktiv wird und Vorkehrungen trifft, wird in zehn Jahren nicht mehr in China präsent sein.»
Tagesschau, 13.4.2026, 19:30 Uhr