Zum Anlass seines heutigen 80. Geburtstags hat Charles Lewinsky einen neuen Roman verfasst, der die Frage aufwirft, warum dieser gerade jetzt erscheint und wieso die Hauptfigur ebenfalls 80 Jahre alt ist. Im Interview mit Young-Sim Song von Keystone-SDA teilt Lewinsky seine Gedanken dazu.
Charles Lewinsky, wie fühlen Sie sich über «Eine andere Geschichte»?
Lewinsky: “Ja, ich denke, dass das Buch den Lesern denselben Genuss bereiten wird, den ich beim Schreiben empfunden habe. Es zählt zu meinen ‘grossen’ Büchern, ähnlich wie ‚Melnitz‘ oder ‚Der Halbbart‘. Manchmal schreibt man auch kleinere Werke, die nicht unbedingt in der Weltliteratur landen sollen.”
Wie lange haben Sie an diesem Buch gearbeitet und hat es sich im Laufe der Zeit von Ihrem ursprünglichen Plan verändert?
Lewinsky: “Ich arbeite nie nach einem festen Plan. Doch dieses Buch ist das einzige, bei dem ich auf die Frage, wie ich darauf gekommen bin, eine klare Antwort habe. Die Hauptfigur begleitet mich seit 70 Jahren und basiert auf einer Person, von der meine Grossmutter mir erzählt hat.”
Das Werk wirkt, als hätten Sie ein tiefes Interesse an der US-Filmgeschichte.
Lewinsky: “Ich hatte keinerlei Vorwissen darüber. Da beginnt die Recherche. Der Leser soll jedoch nichts davon bemerken und stattdessen das Gefühl haben: ‘Der kennt sich halt aus.'”
Wie sehr spiegelt der deutsch-jüdische Filmproduzent Curtis Melnitz im Roman Ihre eigene Geschichte wider?
Lewinsky: “Nichts, außer dass dieser Mann indirekt mit mir verwandt ist. Aber ich könnte die Verbindungen nicht benennen.”
Er teilt ebenfalls Ihr Alter von 80 Jahren.
Lewinsky: “Das war mein persönlicher Scherz. Ich wusste, das Buch soll zu meinem Achtzigsten herauskommen. Die Hauptfigur hätte auch 60 sein können und die Geschichte wäre in einer anderen Zeit angesiedelt gewesen. Aber es passte so am besten.”
Warum haben Sie geplant, zum Achtzigsten einen Roman herauszubringen?
Lewinsky: “Wegen Ihnen – also wegen der Journalisten. Es ist eine sehr nüchterne Überlegung: In der Schweiz interessieren sich die Zeitungen kaum für Literatur. Aber wenn jemand aus der Welt der Cervelat-Prominenz Geburtstag hat, dann sind sie alle da.”