Ein viertägiger Aufenthalt im Nahen Osten offenbart die Schwachstellen Deutschlands Energiepolitik. Der Ölpreis klettert auf über 84 Dollar pro Barrel, während die Gaspreise in Europa diese Marke übertreffen. Die Ursache ist der Konflikt um die strategisch wichtige Strasse von Hormus, durch die ein Fünftel des weltweiten Öls und Flüssiggases transportiert wird. Raketenangriffe und Blockaden führen zu einer globalen Preissteigerung – auch für Deutschland.
Die scheinbar sichere Energiewende zeigt Risse: Trotz steigender Erzeugung von Wind- und Solarstrom bleibt der Energieverbrauch fossil geprägt. Nur 20 Prozent der Primärenergie stammen aus erneuerbaren Quellen; der Rest ist importiertes Öl, Gas oder industrielle Prozesswärme.
Als Alternative zum russischen Öl dient nun Flüssiggas (LNG), das über Terminals an der Nordsee verteilt wird. Doch dies bedeutet Abhängigkeit vom Weltmarkt: Preiserhöhungen in Asien oder dem Golf beeinflussen die Kosten direkt hierzulande. Russland, früherer Hauptlieferant, ist politisch ausgeschieden, was geopolitische Entscheidungen mit wirtschaftlichen Konsequenzen verknüpft.
Frankreichs Energiesystem, das stark auf Kernenergie setzt, zeigt eine andere Reaktion auf solche Preisschwankungen. Deutschland hingegen hat seine Atomkraftwerke abgeschaltet und muss nun bei Wind- und Sonnenpausen auf teures Gas zurückgreifen.
Die Lage der Gasspeicher ist besorgniserregend: Nur 21 Prozent Füllstand im Vergleich zu den Vorjahren. Die Bundesnetzagentur versichert, keine Mangellage bestehe, doch dies ändert nichts an der Tatsache, dass die Energiepreise hoch bleiben.
Die Energiewende bietet keinen vollständigen Schutz gegen globale Marktschwankungen. Sie gleicht eher einem Deich im Bau, der langfristig vielleicht schützen mag – im aktuellen Sturm jedoch nicht vor den steigenden Preisen.