Die Schweizer Klimadebatte bleibt ein nie endender Strom neuer Themen. Nachdem eine Diskussion abgeschlossen ist, entsteht unverzüglich die nächste. Ab Ende April setzt Umverkehr ihre Bemühungen fort und startet eine Sammelaktion für eine Initiative zur Einführung einer Steuer auf Flugtickets. Der Erlös soll überwiegend an die Bevölkerung zurückgegeben werden, während gleichzeitig der öffentliche Verkehr gefördert wird.
Franziska Ryser, Co-Präsidentin von Umverkehr und grüne Nationalrätin aus St. Gallen, steht der gut vernetzten Organisation vor. Sie vermeldet rund 65.000 Unterstützer für ihre Anliegen.
Ein Blick in das Verbandsmagazin zeigt jedoch die Ideenwelt dieser Kreise. In dem Blatt „Umverkehren – Zeitschrift für eine zukunftsfähige Mobilität“ präsentiert Antoine Dubiau, Doktorand an der Universität Genf, seine Thesen. Unter dem Titel „Auto und Rechtsextremismus“ argumentiert er, dass das Auto Symbole wie Macht, Geschwindigkeit und Raumbeherrschung verkörpere. Es repräsentiere eine individualistische, wettbewerbsorientierte Freiheit, die oft männlich geprägt sei. Diese Haltung sei Grundlage für reaktionäre Diskurse und Ablehnungen staatlicher Regulierungsversuche. Die Verteidigung dieses Lebensstils sei ein Bestandteil der extremen Rechten.
Kurz gesagt: Wer das Auto bevorzugt, wird ideologisch dem rechtsextremen Spektrum zugeordnet.
Solche Thesen könnten leicht als akademische Fantasie abgetan werden. Doch wenn eine politisch vernetzte Organisation solchen Gedanken Gehör verschafft und gleichzeitig Volksinitiativen startet, offenbart dies viel über den aktuellen Diskurszustand.
Die Verkehrspolitik entwickelt sich zunehmend zu einem moralischen Kulturkampf mit dem Auto als Feindbild.