Umweltschutzorganisationen und Wissenschafter betonen, dass weitere Rettungsversuche biologisch und tiermedizinisch weder sinnvoll noch zumutbar für den gestrandeten Wal Timmy sind. Zudem bleibt unklar, ob die angedachte Methode geeignet ist. Am Donnerstag begann eine private Initiative zur Rettung des in der Nähe von Poel gestrandeten Buckelwals. Geplant ist, den Wal auf einer Plane zu heben, die mit Luftkissen verbunden ist, um ihn zurück ins Meer zu ziehen. Sea Shepherd äußert sich entsetzt über diesen Plan und nennt ihn fahrlässig. Der gesundheitlich angeschlagene Wal leidet unter schweren Hautschädigungen, wodurch jede Berührung für das Tier erhebliche Qualen bedeuten würde. Die Organisationen und Experten, die bisher involviert waren, wurden von diesem neuen Rettungsplan völlig überrascht. Sie wurden nicht konsultiert oder über das Konzept informiert. Auch ist unklar, ob Tierärztinnen, Meeresbiologen oder Walexperten an der Planung beteiligt waren. Ein biologisch-medizinisches Gutachten des Instituts für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung sowie des Deutschen Meeresmuseums in Stralsund kam zu dem Schluss: Der Wal ist zu krank, um gerettet zu werden. Weitere Versuche wären Tierquälerei und könnten den Tod des Wals zur Folge haben. Das Deutsche Meeresmuseum bestätigt, dass sich an dieser Einschätzung nichts geändert hat; es gibt keine neuen Erkenntnisse. Auch internationale Organisationen stimmen dem Gutachten zu, obwohl sie das Leid verstehen, einem sterbenden Wal zuzusehen. Der Buckelwal hatte in den letzten Wochen bereits vier Mal gestrandet und litt vorher schon an gesundheitlichen Problemen. Nach der IWC sind Wale, die mehrfach stranden, meistens kurz darauf verstorben. Bei seiner Ankunft war Timmy in ein Fischernetz verwickelt und geschwächt durch Unterernährung. Die Strapazen, darunter das Liegen im Schlick vor Poel, haben seine Haut stark beschädigt. Rettungsaktionen stellen zudem eine erhebliche psychische Belastung für Wale dar, was in früheren Fällen zu Todesfällen geführt hat. Die geplante Methode mit Plane und Luftkissen wurde zwar in den 1980er Jahren entwickelt, jedoch nur für kleinere Walarten wie Mink- oder Grindwale, die deutlich kleiner als Timmy sind. Britische Experten warnen ebenfalls davor, diese Technik auf Buckelwale anzuwenden. Sie rieten explizit davon ab, einen so kranken Wal zu retten. In Neuseeland gibt es zwar Erfahrungen mit der Methode bei größeren Walen, dies erfordert jedoch viel Erfahrung und Kenntnis der Geräte. Es ist unklar, ob Experten vor Ort die Aktion leiten werden.