Im Zentrum des modernen Leistungssports steht zunehmend das neurozentrierte Training, welches nicht nur die Muskeln, sondern auch das Gehirn stärkt. Leonie Wieland, Stürmerin der Kloten-Dietlikon Jets und Weltmeisterin im Unihockey, ist eine Vorreiterin dieser Methode. Trotz eines Kreuzbandrisses, den sie sich während des Schweizer-Meister-Superfinals zugezogen hatte, setzt sie ihr Training fort, um ihre geistige Agilität zu fördern.
Unihockey erfordert schnelle Entscheidungen und Bewegungsabläufe. Wieland trainiert daher, die Antizipation von Spielzügen zu verbessern und Informationen rascher zu verarbeiten als ihre Konkurrentinnen. Diese Fähigkeiten stärkt sie durch Übungen bei Neuronuss, einem Zentrum für neurozentriertes Training gegründet von Luca Nussbaumer.
Die Methode zielt darauf ab, die Informationsverarbeitung zu optimieren: Wieland liegt auf dem Rücken und fängt Tennisbälle abwechselnd aus unterschiedlichen Höhen. Dies schult ihre Reaktionsgeschwindigkeit und erlaubt es ihr, auch unter Druck ruhig und effektiv zu agieren.
Nussbaumer erklärt, dass das Gehirn wie Software funktioniert, die durch gezielte Übungen verbessert werden kann. Während Muskeltraining den Output fokussiert, trainiert neurozentriertes Training die Inputverarbeitung, um das Vertrauen und die Leistungsfähigkeit zu steigern.
Die ersten Trainingseinheiten mit Nussbaumer zeigten Wieland rasch Erfolg: Stabilitätsübungen in Kombination mit Atemtechniken verstärkten ihre mentale wie physische Stabilität. Das Training hat sich als wertvoll erwiesen, auch nach ihrer Operation und während der Rehabilitation.
Neben Sportlern profitieren auch Menschen mit Gehirnerschütterungen oder ADHS von dieser Trainingsmethode. Wieland setzt weiterhin auf Übungen zur Körperwahrnehmung, um ihre propriozeptive Sensibilität zu aktivieren und so Verletzungen vorzubeugen.
“Ich fühle mich sicherer in meinem Körper, und meine Bewegungen werden koordinierter”, sagt Wieland. Für Nussbaumer ist die positive Wirkung der Trainingsmethode keine Magie, sondern das Ergebnis intensiver Forschung zur Gehirnplastizität.