Wie ist es dem Coachella-Festival gelungen, zum globalen Phänomen aufzusteigen? Zunächst spielt der Standort eine entscheidende Rolle. Auf dem Gelände des Empire Polo Club im kalifornischen Indio bietet die Wüstenlandschaft viel Raum und ideale klimatische Bedingungen: sonnig, warm und regenfrei. Ein weiterer Faktor sind die Acts: Durch die finanzielle Unterstützung von reichen Geldgebern können sowohl A-List-Stars als auch Indie-Künstler gebucht werden. Ikonische Momente wie der Auftritt von Daft Punk 2006, die Projektion von 2Pac im Jahr 2012 und Beyoncés legendäre Show 2018 – später ein Netflix-Special – haben das Festival berühmt gemacht. Drittens hat sich Coachella zu einer Content-Plattform entwickelt: Marken nutzen es zur Werbung und laden Influencer ein, die den Aufenthalt dokumentieren. Es ist zu einem durchkommerzialisierten Paradies geworden.
Seit wann existiert das Festival? Das erste Coachella-Festival fand 1999 statt, nachdem Pearl Jam bereits 1993 auf dem Gelände gespielt hatte, um mit Ticketmaster wegen Gebührenstreitigkeiten zu brechen. 1999 kostete ein Ticket 50 Dollar und es wurden 37.000 verkauft. Der Durchbruch kam 2012 mit zwei identischen Wochenenden und doppelten Ticketverkäufen. In diesem Jahr dürfte das Festival über 120 Millionen Dollar eingebracht haben.
Wer steckt dahinter? Das Coachella-Festival wird von Goldenvoice organisiert, einer Tochtergesellschaft des Unterhaltungskonzerns AEG, der vom Milliardär Philip Anschutz kontrolliert wird. Kritik gibt es an Anschutzes Spenden an republikanische und christlich-fundamentalistische Gruppen.
Warum sind kleinere Bands bereit, sich für einen Auftritt zu verschulden? Claudio Landolt von SRF Musik erklärt: Coachella ist ein exzellentes Sprungbrett. Beispielsweise verdoppelte Cardi B ihre Gage um das Zwölffache nach ihrem erfolgreichen Auftritt. “Coachella ist das Eldorado der Öffentlichkeitsarbeit”, so Landolt.
Wie erreichte das Festival ein weltweites Publikum? Seit 2011 wird das Coachella-Festival kostenlos und in hoher Qualität auf YouTube übertragen, wo sechs Millionen Abonnenten den Kanal verfolgen. Diese Partnerschaft hat das Festival globalisiert, wodurch es auch als “Couchella” bekannt wurde.
Hat Coachella Einfluss auf den Schweizer Festivalmarkt? Laut Christof Huber, Leiter von Openair St. Gallen, ist der Einfluss indirekt: Da Coachella im April stattfindet, werden Karrieren oft frühzeitig gestartet. Dennoch sind die Preise und Kapazitäten unvergleichlich.
Verändert Coachella die Erwartungen des Publikums? Biru Haller von Openair Gurten meint, das Publikum erwarte mehr Design und Erlebnisse sowie “Instagram-Momente”. Es gehe jedoch nicht nur um eine Kopie von Coachella, sondern darum, ein passendes Gesamtpaket zu schaffen.