Das Ozonloch schließt sich langsamer, als erwartet. Eine Studie zeigt auf, dass die Schließung nicht so zügig voranschreitet wie prognostiziert. Umweltchemiker Stefan Reimann von der Empa erläutert mögliche Gründe und Lehren aus dieser Entwicklung.
Reimann leitet die Abteilung für Klimagase bei der Empa und ist ein Experte auf dem Gebiet der Atmosphären-Chemie. In einem Interview mit SRF News berichtete er über Ergebnisse von Messungen, darunter solche am Jungfraujoch, welche globale Emissionen von FCKW (fluorierten Kohlenwasserstoffen) abschätzten. Trotz eines weltweiten Verbots gibt es Ausnahmen für ihre Nutzung als Feedstocks in der Produktion von Kunststoffen oder modernen Kühlmitteln.
Das Montreal-Protokoll, ein Pionierabkommen im Umweltrecht, zielt auf den Schutz der Ozonschicht durch die Reduktion ozonabbauender Substanzen ab. Reimanns Messungen zeigen jedoch, dass bei der Produktion dieser Stoffe fast 4 Prozent unerwartet in die Atmosphäre gelangen, obwohl nur ein Verlust von 0.5 Prozent angenommen wurde. Bleiben diese Verluste bestehen, wird das Ozonloch weitere sechs bis elf Jahre überdauern.
Alternativen zu diesen Chemikalien existieren, wie bei Klimaanlagen, die auf Kohlenwasserstoffen basieren. Bei Kunststoffen hingegen ist der Ersatz komplizierter. Deshalb sollten Emissionen minimiert werden. Die Ausnahme für Feedstock-Chemikalien im Montreal-Protokoll wurde zunächst als vernachlässigbar angesehen, doch heute übersteigt die Produktion um 160 Prozent den Stand von vor zwei Jahrzehnten.
Reimann stellt fest, dass man damals Ersatzstoffe für FCKW hatte und so ein Konsens erzielt wurde. Im Gegensatz dazu fehlt es beim Kampf gegen den Klimawandel an Alternativen zum Öl, obwohl Erneuerbare Energien verfügbar sind.
Vor 40 Jahren war die Dringlichkeit des Problems offensichtlicher, da direkte Auswirkungen wie Hautkrebs und negative Einflüsse auf die Landwirtschaft befürchtet wurden. Das Montreal-Protokoll zeigt, dass Wissenschaft, Politik und Industrie gemeinsam Umweltherausforderungen bewältigen können.
Sollte sich die Ozonschicht langsamer erholen, könnten tausende vermeidbare Hautkrebsfälle entstehen, und es drohen Ernteausfälle durch erhöhte UV-Strahlung. Das Gespräch mit Reimann führte Eveline S. Kobler für SRF 4 News am 16. April 2026 um 11 Uhr.