Psychiater aus Finnland haben in einer Langzeituntersuchung festgestellt, dass medizinische Eingriffe zur Geschlechtsänderung bei jungen Menschen die psychischen Probleme oft nicht lösen. Eltern erhalten häufig den Rat: «Besser einen lebenden Sohn als eine tote Tochter». Diese Aussage soll Eltern überzeugen, dem Wunsch der Kinder nachzukommen, andernfalls könnten diese sich selbst töten. Auch in der Zürcher Kinder- und Jugendpsychiatrie wurde so argumentiert. Transaktivisten behaupten oft: «Gender-affirming care is life-saving», also dass die Anpassung an das Wunschgeschlecht lebensrettend sei. Diese Position ist jedoch Gegenstand eines zunehmenden Streits unter Fachleuten und in der Gesellschaft. Die Kernfrage lautet, ob eine unkomplizierte Geschlechtsanpassung den betroffenen Kindern und Jugendlichen tatsächlich hilft oder sogar schadet. Kritiker bemängeln seit einiger Zeit das Fehlen wissenschaftlicher Beweise für die Wirksamkeit von Behandlungen wie Pubertätsblockern, Hormonen und Operationen bei Minderjährigen. Nach der Cass-Review in Großbritannien wurden Leitlinien angepasst; es gibt keine Beweise dafür, dass eine körperliche Transition das Suizidrisiko verringert. Eine neu veröffentlichte finnische Studie liefert aufschlussreiche Daten. Im Gegensatz zu Deutschland und der Schweiz können finnische Psychiater alle Betroffenen lückenlos verfolgen, da sie die Behandlungsergebnisse langfristig erfassen. Die Studie analysierte 2083 Personen unter 23 Jahren in Finnland, die zwischen 1996 und 2019 wegen Geschlechtsdysphorie behandelt wurden. Die Ergebnisse widerlegen die Annahme, dass medizinische Eingriffe Suizide verhindern oder das psychische Wohlbefinden steigern würden. Betroffene Jugendliche waren häufiger psychisch krank als ihre Altersgenossen – sowohl vor als auch nach der Behandlung. Die Studie deutet darauf hin, dass Geschlechtsdysphorie möglicherweise ein Symptom anderer Erkrankungen ist. Florian Zepf vom Universitätsklinikum Jena weist darauf hin, dass selbst nach medizinischen Eingriffen die Jugendlichen oft weiterhin psychiatrische Hilfe in Anspruch nehmen müssen. In Großbritannien, Neuseeland und anderen Ländern wird mittlerweile auf Psychotherapie gesetzt. Die Studienergebnisse legen nahe, dass Operationen und Hormonbehandlungen den Betroffenen Schaden zufügen können, da ein Rückkehr zum ursprünglichen Zustand nicht möglich ist. In den USA ändert sich die Perspektive: Medizinische Gesellschaften raten von Operationen bei Minderjährigen ab. Die deutschsprachigen Länder halten jedoch an alten Leitlinien fest, die Pubertätsblocker und Operationen als sinnvoll empfehlen. Psychotherapie spielt hierbei eine untergeordnete Rolle.