Michael Mehringer, ein junger Mann aus Oberbayern mit Querschnittlähmung, ist einer der ersten Nutzer einer innovativen Gehirn-Computer-Schnittstelle (BCI). Diese Technologie könnte seinen Alltag erheblich verbessern und bietet einen Einblick in die Zukunft der Rehabilitation. Mehringer unternimmt wöchentlich Fahrten von seinem Heimatort nach München, um am Klinikum Rechts der Isar der Technischen Universität München zu trainieren. Hier verbindet sich sein Gehirn mit einem Computer über eine direkte Schnittstelle, die es ihm ermöglicht, Geräte durch Gedankensteuerung zu bedienen.
Nach einem tragischen Unfall im Jahr 2016, bei dem er einen Halswirbel brach und querschnittsgelähmt wurde, führten mehrere Notoperationen zwar sein Leben, aber nicht seine Beweglichkeit zurück. Heute nutzt Mehringer einen elektrischen Rollstuhl mit Joysticksteuerung.
Im Juli 2025 erhielt er eine bahnbrechende Operation, bei der Neurochirurg Bernhard Meyer und sein Team ein BCI in seinem Gehirn implantierten. 256 Mikroelektroden auf seiner Grosshirnrinde erfassen nun elektrische Signale, die von künstlicher Intelligenz analysiert werden, um bewusste Gedankenmuster zu identifizieren.
Der neurowissenschaftliche Leiter des Projekts, Simon Jacob, erklärt: „Das Ziel ist es, Mehringer mehr Selbstständigkeit zurückzugeben. Er kann bereits einen Cursor auf dem Bildschirm steuern und träumt davon, eines Tages Roboterarme zu bedienen.“
Forscher arbeiten seit Jahren an der Entwicklung von BCIs, die Menschen mit neurologischen Problemen helfen sollen. Während einige Visionäre sogar denken, dass solche Technologien in Zukunft Gedanken lesen oder Bewusstsein digitalisieren könnten, bleibt Michi Mehringer bei seinen unmittelbaren Zielen: Kontrolle über einen Bildschirm-Cursor zu erlangen und zukünftig vielleicht Videospiele spielen zu können.
Seit 1924, als Hans Berger erstmals Hirnströme messbare wurde, hat sich die Technologie stark weiterentwickelt. Heute arbeitet Mehringer gemeinsam mit einem interdisziplinären Team daran, sein BCI so effizient wie möglich zu nutzen.
Die Forschung zeigt bereits Erfolge: In den USA werden Querschnittgelähmte erfolgreich mit BCIs ausgestattet, und in China wird ein Exoskelett-System getestet. Auch Projekte im EPF Lausanne haben gezeigt, dass BCIs das Rückenmark umgehen und erneut Gehfähigkeit ermöglichen können.
Trotz der vielversprechenden Fortschritte bleiben ethische Fragen und die technischen Herausforderungen bei der Erfassung komplexer kognitiver Funktionen bestehen. Elon Musk, mit seiner Firma Neuralink, träumt von einer digitalen Unsterblichkeit durch BCIs – ein Ziel, das noch weit entfernt scheint.
Für Mehringer ist der aktuelle Stand jedoch schon eine beeindruckende Leistung: Mit gezielten Trainings und fortschrittlicher Technologie arbeitet er daran, die Grenzen seines Alltags zu erweitern.