Während die Industrie und Privathaushalte unter steigenden Stromkosten leiden, erzielen staatliche Energiekonzerne wie Axpo, Alpiq und BKW Rekordgewinne. Diese Gewinne resultieren maßgeblich aus dem internationalen Energiehandel, ein Bereich, der von vielen unbemerkt bleibt. Zwischen 2017 und 2026 haben die Kantone als Mehrheitseigentümer kumulierte Dividenden in Höhe von 3,6 Milliarden Franken erhalten, wovon allein im letzten Jahrzehnt rund 1,8 Milliarden geflossen sind. Diese Ausschüttungen stehen im Fokus der Kritik, insbesondere seitens energieintensiver Industrien, die unter den hohen Stromkosten leiden.
Carla Hirschburger-Schuler von der Interessengemeinschaft Energieintensive Branchen (Igeb) bemängelt die volatilen Strompreise, die zu überdurchschnittlichen Gewinnen der Konzerne führen. Jean-Philippe Kohl vom Verband Swissmem fordert, dass Gewinne zur Stärkung der Strominfrastruktur und nicht für allgemeinen Staatskonsum genutzt werden sollten.
Die steigenden Netzkosten belasten die Industrie zusätzlich, was im internationalen Vergleich als nachteilig betrachtet wird. Die Kantone reagieren jedoch gelassen auf diese Kritik. Der Kanton Graubünden etwa sieht eine Gewinnmarge von 5 Prozent als vertretbar an und betont, dass Dividendenzahlungen gängige Praxis sind.
Auch die Stromkonzerne selbst argumentieren, dass die Preise durch Marktmechanismen bestimmt werden. Sie weisen Verantwortung für hohe Energiepreise zurück und führen geopolitische Ereignisse als Ursache an.
Einige Politiker sehen jedoch eine Verschiebung der Unternehmensziele von der ursprünglichen Stromversorgungssicherheit hin zu einer Strategie, die auf hohe Dividenden abzielt. Nicolò Paganini kritisiert dies und betont die Notwendigkeit, auch finanzielle Risiken zu tragen.
Die Gewinne im internationalen Handel bergen nicht nur Chancen, sondern auch das Risiko zukünftiger Verluste. Branchenkenner berichten von hohen Boni für Händler, wie dem umstrittenen 1,8 Millionen Franken-Gehalt des Axpo-CEO Christoph Brand.
Trotz der Kritik betonen die Kantone ihre langfristige Strategie zur Versorgungssicherheit und zu erneuerbaren Energien. Sie verweisen darauf, dass Unternehmen ihren Stromlieferanten frei wählen können und somit nicht auf staatlich kontrollierte Anbieter angewiesen sind.
Die Diskussion um die Rolle der staatlichen Energiekonzerne und deren Gewinnverwendung bleibt aktuell und spaltet sowohl politische als auch wirtschaftliche Kreise.