Die Online-Apotheke Doc Morris, die seit fünf Jahren Verluste von nahezu 750 Millionen Franken verzeichnet, steht vor einer hitzigen Generalversammlung. Ein polnischer Investor drängt auf grundlegende Änderungen im Unternehmen. Jacek Szwajcowski, der über seine niederländische Holding CEPD und den polnischen Apothekenbetreiber Pelion 15 Prozent an Doc Morris hält, fordert drei von sechs Sitzen im Verwaltungsrat. Der aktuelle Vorstand empfiehlt den Aktionären jedoch, alle Wahlvorschläge Szwajcowskis abzulehnen und warnt vor einer geplanten feindlichen Übernahme. CEPD betont hingegen, es gehe lediglich darum, die Aufsicht zu stärken und eine effiziente Kapitalverwendung sicherzustellen.
Doc Morris strebt danach, ein führender Anbieter digitaler Gesundheitsdienste in Europa zu werden. Doch bisher fokussierte sich das Unternehmen hauptsächlich auf den Versandhandel von Medikamenten in Deutschland und verlor Marktanteile gegenüber dem Hauptkonkurrenten Redcare Pharmacy, der im ersten Quartal seinen Umsatz um 18 Prozent steigerte. Doc Morris konnte seine Verkäufe nur um 8 Prozent erhöhen.
Die schwache Leistung hat den Aktienkurs von Doc Morris innerhalb von fünf Jahren um über 90 Prozent sinken lassen, was laut CEPD auf strategische Fehlleistungen zurückzuführen ist. Walter Oberhänsli, der seit 2022 als Verwaltungsratspräsident fungiert und das Unternehmen 1993 gründete, soll durch Fritz Oesterle ersetzt werden, einen Vertrauten Szwajcowskis.
CEPD, die drittgrößte Apothekenkette in der EU mit einem Umsatz von über 2 Milliarden Euro, und Pelion, die größte Apothekenkette in Polen mit 4,7 Milliarden Euro Umsatz, behaupten, noch nie Verluste gemacht zu haben. Szwajcowski schlägt vor, neben Oesterle auch Mariola Belina-Prazmowska und Jacek Janusz Poswiata in den Verwaltungsrat zu wählen. Beide sind mit Pelion verbunden, wobei Poswiata als unabhängiger Kandidat bezeichnet wird, obwohl Bain & Company, bei der er arbeitet, strategische Projekte für Pelion durchführt.
Szwajcowski unterstützt lediglich die aktuellen Mitglieder Andréa Belliger und Florian Seubert sowie den neuen Kandidaten Thomas Reutter. Sterling, ein Luxemburger Investmentunternehmen mit 3,2 Prozent Anteil an Doc Morris, befürwortet hingegen alle vom Verwaltungsrat nominierten Kandidaten und die Wiederwahl Oberhänslis. Auch dieses Unternehmen deutet auf gewünschte Änderungen hin. Die Generalversammlung am 12. Mai in Zürich dürfte entscheidend für die Zukunft von Doc Morris sein.