Obwohl Freiburg nur 3 Prozent der Schweizer Bevölkerung beheimatet, liefert der Kanton zehn Prozent der nationalen Milchproduktion. Um seine führende Rolle in der Milchwirtschaft zu behaupten, hat Freiburg verschiedene Strategien entwickelt, da die Branche Schwierigkeiten durch eine Überproduktion erlebt.
Die günstigen Wetterbedingungen des vergangenen Sommers führten dazu, dass Kühe mehr und qualitativ besseres Futter bekamen, was zu einer erhöhten Milchproduktion führte. Daraus resultierte ein Überangebot an Butter und Milchpulver in den Lagerhäusern. Um die Schweizer Milch wettbewerbsfähig gegenüber Importen zu halten, wurde der Milchpreis gesenkt.
Diese Preissenkungen betrafen auch die Zentralschweizer Produzenten, die seit Februar eine Obergrenze für ihre Liefermengen an die Molkerei Emmi hatten. Überschüsse wurden mit nur noch 15 Rappen pro Liter vergütet, statt der früheren 70 Rappen.
Auf einer Versammlung ihrer Genossenschaft äußerten Milchbauern ihre Enttäuschung: “Es tut weh”, “es ist schlecht”, und berichteten von Verlusten bis zu 7000 Franken pro Monat. Pirmin Furrer, Geschäftsführer der Zentralschweizer Milchproduzenten, bestätigte jedoch eine Reduktion in der Milchproduktion: Im Januar lag diese noch bei 7,7 Prozent über dem Vorjahresniveau, im Februar waren es 5,7 und im März 3 Prozent.
Es wird erwartet, dass sich Angebot und Nachfrage bald angleichen. Jedoch sieht Freiburg weitere Herausforderungen auf sich zukommen. Der Mangel an jüngerer Arbeitskraft in der Milchwirtschaft ist ein bedeutendes Problem: Über ein Drittel der Betreiber sind 55 Jahre oder älter, wie Jean-Charles Philipona vom Landwirtschaftlichen Kompetenzzentrum Grangeneuve berichtet.
Yves Nicolet vom Freiburger Milchverband sieht die Attraktivität des Berufs für Jüngere gering. Frühe Arbeitszeiten und begrenzte Einkommen seien Herausforderungen, denen man begegnen müsse: “Wir müssen es schaffen, sie zu motivieren.”
Der Kanton Freiburg hat reagiert, indem er Massnahmen zur Stärkung der Milchwirtschaft initiiert. Landwirtschaftsdirektor Didier Castella betont die Bedeutung der Branche für das kantonale Wohlstandsniveau und will trotz bundespolitischer Agrarverantwortung investieren.
Zu den Massnahmen gehören Infotage und Beratungen zur Übernahme von Bauernhöfen sowie umfassende Unterstützung bei Neubauten. Spezialisten aus Wirtschaft und Technik sollen künftig stärker kooperieren, um Landwirten eine zufriedenstellendere berufliche Zukunft zu ermöglichen.
Didier Castella ist überzeugt von der Notwendigkeit dieser Massnahmen: “Wir sind davon überzeugt, dass dies ein wichtiger Sektor ist, der auch in Zukunft Bestand haben wird.” Damit Freiburg seine Stellung als Milchproduzent behaupten kann.