Bei dem Wäschehersteller Calida herrscht Unruhe. Ein Grossaktionär hat eine Forderung nach einem umfangreichen Rückkauf von 10 Prozent der eigenen Aktien gestellt, was auf heftigen Widerstand des Verwaltungsrates stößt und die Aktionäre vor eine schwierige Entscheidung stellt.
In den vergangenen vier Jahren hat sich der Wert der Calida-Aktien um drei Viertel verringert. Missglückte Übernahmen, hohe Abschreibungen und häufige Wechsel in der Führungsebene haben zu Unsicherheit geführt. Bernhard Signorell, Inhaber von etwa 4 Prozent der Anteile über 300’000 Aktien, ist unzufrieden mit dem Status quo. Er plädiert für einen massiven Rückkauf und die Vernichtung dieser Aktien zur Wertsteigerung des verbleibenden Kapitals.
Signorells Forderungen stoßen beim Verwaltungsrat auf Widerstand, der eine ungewöhnliche Gegenmaßnahme vorschlägt: Sollte der Rückkauf genehmigt werden, wird die Ausschüttung einer Dividende beantragt. Diese Entscheidung stellt den Aktionären ein Dilemma: Entweder sie stimmen dem riskanten Aktienrückkauf zu oder sichern sich eine feste Dividendenzahlung.
Signorell kritisiert diese Taktik als Erpressung und behauptet, dass der Verwaltungsrat die freie Entscheidungsfindung untergräbt. Mit einer Nettoliquidität von 25 Millionen Franken sieht er keinen finanziellen Zwang. Die Kosten für den Rückkauf und die Dividende summieren sich auf maximal 10,9 Millionen, wobei ein solides Liquiditätsreservat verbleibt.
Die Debatte über den Antrag ist weniger bedeutend im finanziellen Sinne, da Calida einen Jahresumsatz von 216 Millionen Franken erzielt. Entscheidender ist die Signalwirkung für Investoren und Analysten, die durch anhaltende Unsicherheiten zu einem Untergewichten der Aktie geraten.
Thomas Stöcklin, seit Juni letzten Jahres CEO, steht vor der Herausforderung, sowohl den Rückkauf abzuwehren als auch das Wachstum des Unternehmens sicherzustellen. Er argumentiert, dass Investitionen in Kernmarken und zukünftiges Wachstum vorrangig seien und ein Aktienrückkauf von 10 Prozent zu drastisch wäre.
Signorell bleibt unbeeindruckt von Stöcklins Kompromissvorschlag eines Rückkaufs von maximal 2 Prozent. Er verweist auf frühere, umfangreichere Rückkäufe bei höheren Aktienkursen und sieht darin keinen Sinn. Die Generalversammlung verspricht hitzige Debatten über weitere Kritikpunkte wie die Unterbewertung der Calida-Aktie durch die Führungsebene, anhaltende Verluste in der US-Tochter Cosabella und Governance-Fragen bezüglich Stöcklins Doppelmandat.
Trotz der heftigen Diskussionen deutet vieles darauf hin, dass Signorells Antrag scheitern könnte. Die Berater Ethos und ISS sowie die Gründerfamilie Kellenberger werden ihn wahrscheinlich ablehnen. Einige Aktionäre sind außerdem besorgt über das Schicksal der traditionellen Gratis-Pyjamas als Naturaldividende, deren Aussetzung im Jahr 2025 mehr Aufmerksamkeit erregte als die Aktienkurse.