Von Bern bis Kreuzlingen und von Zürich bis Lugano zeugen Katzenleitern an den Häusern von der Bedeutung, die Katzen für ihre Besitzer haben. Diese Leitern sind oft gebogen oder gewunden und führen vertikal oder schräg zur Hausfassade mit kurzen Stufen in kleinen Abständen. Sie tragen zu unterschiedlichen Höhen, bisweilen sogar 11 Meter, und integrieren Fensterklappen. Als Erkennungszeichen signalisieren sie die Anwesenheit einer Katze, selbst wenn der Besitzer nicht direkt greifbar ist.
Mit über zwei Millionen Katzen in der Schweiz erfüllen diese Leitern eine wichtige Funktion, indem sie den Tieren einen separaten Zugang zum Haus bieten. Als VIPs oder «very important pets» genießen Katzen diesen besonderen Status. Sie sind nicht nur beliebte Haustiere, sondern auch Familienmitglieder und stammen von Wildtieren ab, die eine Neigung zur Eigenständigkeit bewahrt haben.
Trotz ihrer Anhänglichkeit an Menschen zeigen sie ihre wilden Seiten, wenn sie Beute wie Mäuse oder Vögel über die Leitern ins Haus bringen. Tierschützer plädieren in der Brutzeit für eine Einschränkung des Katzenausgangs und das Verschließen von Klappeingängen. Alternativ kann ein Glöckchen um den Hals der Katze angebracht werden, damit ihr Betreten hörbar ist.
Bern gilt als Hauptstadt der Katzenleitern, wie eine Entdeckungstour durch die Schweiz des Fotografen Francisco «Paco» Carrascosa und seiner Kollegen Matthias Oberli und Emanuel Tschumi zeigt. Ihre Erkenntnisse präsentieren sie im Fotoband “Catwalk Stories”.
Die vielen verkehrsberuhigten Quartiere in Bern könnten die hohe Katzenliebe erklären, da sie den sicheren Auslauf für die Tiere ermöglichen. Im Gegensatz dazu sind Katzen in Großstädten oft auf Indoor-Lösungen wie “cat window boxes” angewiesen.
Im Unterschied zu solchen Fensterkäfigen sieht man bei uns selten eine Katze auf den Leitern, da diese Tiere selten auf halbem Weg verweilen. Manche Katzen nutzen die Leiter gar nicht und ziehen es vor, durch die menschlichen Eingänge oder sogar im Lift zu reisen.
In Mietwohnungen muss die Installation der Leiter vom Vermieter genehmigt werden, doch sie gelten selten als Verschandelung. Die vielfältigen Designs reichen von selbstgezimmerten bis hin zu industriell gefertigten Exemplaren, darunter beliebte Hühnerleitern oder Zickzack-Treppen.
Professionelle Katzenleiterbauer wie Markus Gehring haben sich auf diese Nische spezialisiert. Er allein hat für Zürich fünfhundert solcher Leitern errichtet, deren Gesamtlänge 7 Kilometer betragen würde. Für die Katzen reichen jedoch wenige Meter aus, um ihren Platz einzunehmen und ungestört zu bleiben.
Francisco «Paco» Carrascosa, Matthias Oberli, Emanuel Tschumi: Catwalk Stories. Edition Haus am Gern, Biel 2026. 208 S., 192 farbige Abb., Fr. 41.90.