Hormone sind essenziell für die Aufrechterhaltung unserer Gesundheit, indem sie Wachstum fördern, Muskelkraft steigern, den Blutdruck regulieren und mehr. Mit zunehmendem Alter gerät jedoch die Balance aus dem Gleichgewicht: Der Körper produziert manche Hormone weniger und andere vermehrt, was vielfältige Folgen nach sich zieht.
In der zweiten Ausgabe unserer Serie “Früh erkennen – gesund altern” konzentrieren wir uns auf zwei Schlüsselhormone: Cortisol, bekannt als Stresshormon, kann im Alter zu Schlafstörungen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen. Insulin verliert mit den Jahren an Wirksamkeit, was das Risiko für Diabetes Typ 2 erhöht. Frühzeitige Tests können helfen, ernsthafte Erkrankungen zu vermeiden.
Viele Menschen wachen im Alter früher auf, selbst wenn sie müde sind. Laut Stefan Bornstein von der Technischen Universität Dresden steigen die Cortisolwerte bereits früh am Morgen an. Dieser Hormonüberschuss kann Gewichtszunahme, Depressionen und Muskelabbau verursachen. Studien haben zudem gezeigt, dass selbst ein leicht erhöhtes Cortisol-Niveau mit Bluthochdruck und anderen Krankheiten in Verbindung steht.
Insulin ist für die Aufnahme von Glukose aus dem Blut in die Körperzellen zuständig. Verliert es seine Funktion, steigt der Blutzuckerspiegel an. Dies kann langfristig zu Diabetes Typ 2 führen, einer Krankheit, die oft viele Jahre unbemerkt bleibt und erst durch späte Symptome wie Sehstörungen oder schlecht heilende Wunden auffällt.
Cortisol wird in einem fein abgestimmten Prozess zwischen Hirn und Nebennierenrinde produziert. Bei vielen älteren Menschen steigt der tägliche Cortisolausstoß an, oft bedingt durch dauerhaften Stress oder körperliche Veränderungen wie gutartige Geschwulste in den Nebennieren.
Michael Ristow von der Charité Berlin weist darauf hin, dass Faktoren wie Übergewicht und Bewegungsmangel die Insulinwirkung beeinträchtigen. Er empfiehlt die Nutzung von Glukosesensoren, um Blutzuckerschwankungen nachzuvollziehen.
Um Diabetes frühzeitig zu erkennen, sollten Menschen ab 40 Jahren alle zwei Jahre ihren HbA1c-Wert messen lassen und bei einem Wertanstieg aktiv werden. In der Schweiz wird alle drei Jahre ein Screening empfohlen, während in Deutschland Risikopatienten untersucht werden.
Cortisolwerte können mit Tests überprüft werden. Lebensstiländerungen wie Gewichtsabnahme können leichte Erhöhungen senken, während stärkere Anomalien eine genaue Ursachenforschung erfordern. Wearables könnten zukünftig helfen, Herz-Kreislauf-Leiden vorherzusagen.
Diese Beispiele zeigen die Bedeutung der Überwachung hormoneller Veränderungen im Alter und tragen dazu bei, das Risiko für gesundheitliche Probleme zu minimieren.