Das Gehirn reguliert viele Körperfunktionen und bildet unser Bewusstsein, unsere Gedanken und Gefühle. Altersbedingte Veränderungen im Gehirn können sowohl körperliche als auch geistige Auswirkungen haben und lösen oft Ängste aus, insbesondere vor Demenz oder anderen neurodegenerativen Erkrankungen, bei denen Hirnregionen absterben.
Dennoch sind nicht alle altersbedingten Veränderungen pathologisch. Dieser Artikel untersucht die tatsächlichen Anzeichen einer Demenz und normale altersbedingte Veränderungen im Gehirn sowie die Methoden zur Überprüfung der Gehirngesundheit durch Ärzte.
Ab dem Alter von 30 Jahren lässt die Gedächtnisleistung nach, während Erfahrungen kontinuierlich gesammelt werden. Tania Zieschang, Direktorin der Universitätsklinik für Geriatrie am Klinikum Oldenburg, erklärt: «Meine Medizinstudenten merken sich neue Medikamentennamen leichter als ich. Doch ich kann besser einschätzen, welche Patienten davon profitieren und mögliche Wechselwirkungen erkennen.»
Ältere Menschen haben Schwierigkeiten, sich lange auf eine Aufgabe zu konzentrieren oder mehrere Dinge gleichzeitig zu erledigen; das ist normal und sollte nicht beunruhigen. Ebenso wenig ist es ein Grund zur Sorge, wenn der Name einer Bekannten beim Treffen nicht sofort einfällt.
«Viele ältere Menschen wissen um die abnehmende Wortfindungsfähigkeit ihres Gehirns und setzen sich unter Druck», sagt Zieschang. «Das erhöht den Stresspegel und blockiert das Gehirn weiter.»
Anzeichen für Demenz treten auf, wenn jemand mehr als nur ein Detail nicht erinnert oder ganze Episoden aus dem Gedächtnis verschwinden. Ein Warnsignal ist auch das Verlust des Interesses an einem geliebten Hobby oder die Vernachlässigung regelmäßig ausgeübter körperlich leichter Aktivitäten, wie das Lesen der Tageszeitung. Zieschang betont: «Man sollte sich Sorgen machen, wenn eine Person emotional verbundene Menschen zunehmend ignoriert.»
Bei Parkinson sind die ersten Symptome oft schwer von normalen altersbedingten Veränderungen zu unterscheiden: Schlafstörungen, Nackenschmerzen oder ein vermindertes Geruchsempfinden. Typisch für Parkinson hingegen sind Schwierigkeiten beim Schreiben, Bewegungsprobleme in Armen und Beinen, ein starrer Gesichtsausdruck oder Veränderungen im Sprechton.
Normalalternde Gehirne erleiden ebenfalls einen Nervenzellverlust; ihre Netzwerke werden dünner. Dadurch werden Eindrücke weniger effizient verarbeitet. Bei Demenz oder Parkinson kommt es jedoch zu einem drastischeren Absterben von Nervenzellen, da bestimmte Proteine im Gehirn unerklärlicherweise zu Klumpen zusammenkleben und die Zellen schädigen.
Bei Alzheimer bilden sich zusätzlich giftige Fasern innerhalb der Nervenzellen. Beide Proteinansammlungen lösen Entzündungen aus, was zum Absterben von Nervenzellen führt. Das Netzwerk im Gehirn bekommt Löcher.
Die Hirnregionen werden unterschiedlich stark betroffen: Alzheimer beginnt im Hippocampus, der für das Gedächtnis verantwortlich ist. Betroffene vergessen oder erkennen alltägliche Gegenstände nicht mehr. Im Verlauf sind Bereiche des Grosshirns betroffen, was zu Wortfindungsstörungen und Orientierungsproblemen führt.
Bei Parkinson sterben spezifische Nervenzellen in einer Region unterhalb des Grosshirns ab, die für die Muskulatursteuerung zuständig ist. Das Gehirn kann jedoch zunächst Löcher kompensieren. Je mehr alternative Wege vorhanden sind, desto länger bleibt die Demenz unbemerkt.
Ein aktives und vielfältiges Leben schützt das Gehirn besser vor dem Funktionsverlust im Falle einer Demenz. Vergesslichkeit kann auch durch Vitaminmangel oder Depressionen verursacht werden; dies sollte ärztlich abgeklärt werden.
Für die Diagnose von Demenz steht der Mini-Mental-Status-Test zur Verfügung, der zu Hause einfach durchführbar ist und einfache Fragen sowie Aufgaben umfasst. Fällt dieser Test negativ aus oder zeigen sich Defizite im Alltag, sollten spezialisierte Neurologen oder Psychiater eingebunden werden.
Bluttests können Alzheimer-Demenz anzeigen, sofern bereits kognitive Ausfälle vorliegen. Fotos des Gehirns zeigen geschrumpfte Areale und Proteinansammlungen. Eine Parkinson-Diagnose basiert auf der Beobachtung von Bewegungsverlangsamungen, Muskelsteifheit, Zittern und Gleichgewichtsstörungen.
Die Diagnose Demenz oder Parkinson ist schockierend, doch Gewissheit kann helfen: Verständnis bei Familie und Freunden schaffen und frühzeitig Vorkehrungen treffen. So können Träume verwirklicht werden, bevor es zu spät ist.