Gerd Faltings erlangte internationale Bekanntheit, als er in den 1980er Jahren die Mordellsche Vermutung bewies. Heute nimmt er mit Gelassenheit die Ehrung des Abelpreises an.
“Ich bin es nicht gewohnt, mit Königen zu dinieren. Es wird eine neue Erfahrung sein”, sagte Faltings überrascht, als ihm der Preis für seine revolutionären Beiträge zur arithmetischen Geometrie über Video zugesandt wurde. Der emeritierte Direktor des Max-Planck-Instituts in Bonn äußerte sich bescheiden und scherzte bereits über ein Festbankett mit dem norwegischen Kronprinzen, für das er einen Smoking leihen müsse.
Der Abelpreis, seit 2003 verliehen, ist eine von vielen Auszeichnungen im Leben Faltings’, der zuvor auch die Fields-Medaille erhalten hatte. Dieses Duo an Preisen zählt zu den höchsten Ehrungen in der Mathematik und wurde nur wenigen zu Teil.
Die arithmetische Geometrie, Faltings Fachgebiet, verbindet Zahlentheorie mit geometrischen Methoden zur Lösung komplexer Gleichungen. Probleme wie die des Pythagoras oder Fermats berühmte Vermutung über Würfelzahlen illustrieren das Interesse an ganzzahligen Lösungen mathematischer Gleichungen.
Faltings setzte sich mit der Anzahl rationaler Lösungen komplexer Gleichungen auseinander. Die Rationalität dieser Lösungen bedeutet, dass sie als Brüche dargestellt werden können. Der Ansatz bestand darin, das Geschlecht geometrischer Flächen zu nutzen, auf denen diese Kurven liegen: eine Metrik für die Anzahl von Löchern in der Oberfläche.
1922 postulierte Louis Mordell, dass bestimmte Kurven nur endlich viele rationale Punkte hätten. Faltings fand einen Weg zum Beweis über eine Vermutung russischer Herkunft, was ihm 1983 bei einer Mathematiktagung in Bonn zu Ruhm verhalf.
Trotz des frühen Erfolgs war Falting mit dem plötzlichen Medieninteresse überfordert und fühlte sich von privaten Nachfragen gestört. Mit der Zeit lernte er, die öffentliche Wahrnehmung durch gezielte Interviews zu steuern.
Peter Scholze lobt Faltings tiefes mathematisches Verständnis und seine Fähigkeit, strukturelle Verbindungen in verschiedenen Mathematikfeldern aufzudecken. Trotz seiner Ehrungen arbeitet Falting oft allein, um eigene Ideen zu entwickeln, bevor er sie mit Kollegen diskutiert.
In den 1990er Jahren half Faltings dem britischen Mathematiker Andrew Wiles bei einem kritischen Teil des Beweises der Fermatschen Vermutung. Dieser Austausch war jedoch die Ausnahme und unterstreicht Faltings Prinzip, sich auf das eigene Verständnis zu konzentrieren.
Auch im Alter von 71 Jahren bleibt Faltings aktiv in der Mathematik. Mit Humor erinnert er sich an ein früheres Essen mit dem saudischen Kronprinzen. Er betrachtet die bevorstehende Zusammenkunft mit dem norwegischen Adel gelassen.