Jährlich lockt das Berner Oberland zahlreiche Besucher aus Asien an, darunter von Peking zum Jungfraujoch und von Dehli nach Iseltwald. Mit dem Ausbruch des Iran-Konflikts sind die Flugverbindungen jedoch erschwert worden, was negative Effekte auf Bergbahnen und Tourismusziele im Oberland hat.
Stefan Grossniklaus, Hotelbesitzer in Grindelwald, erklärt: «April und Mai werden für uns schwierige Monate. Wir erwarten viele Gäste aus dem arabischen Raum sowie Asien, die nun fehlen, da nur wenige Flüge verfügbar sind und diese deutlich teurer geworden sind.» Trotz vieler Stornierungen gibt es auch Zuversicht: «Gäste versprechen, zurückzukehren, sobald es möglich ist. Die Ausfälle halten sich derzeit in Grenzen; die Sorge wächst jedoch für die Sommermonate.”
Auch Interlaken Tourismus leidet unter den Folgen. Daniel Sulzer, Direktor von Interlaken Tourismus, berichtet: «Von China und Indien gibt es Rückgänge, besonders bei Gruppenreisen. Individualreisende verschieben ihre Pläne oder buchen spontaner.» Die Ausfälle belaufen sich im März auf bis zu zehn Prozent. Trotzdem zeigt Sulzer Optimismus: «Mit Gästen aus Australien, die über die USA anreisen, und Nord- sowie Südamerikanern können wir die Lücken füllen.”
Die Jungfraubahnen, darunter der Betrieb zum Jungfraujoch und zur Schynige Platte, sind ebenfalls betroffen. Geschäftsführer Oliver Hammel bemerkt: «Besonders Gäste aus Indien und Südostasien haben Schwierigkeiten, nach Europa zu fliegen.» Jürg Stettler von der Hochschule Luzern merkt an: «Der Schweizer Tourismus hat sich diversifiziert, besonders seit der Pandemie; die asiatische Wachstumslokomotive wurde durch die amerikanische ersetzt. Gruppenreisen aus China haben sich nicht vollständig erholt.
Für das Sommergeschäft bedeutet dies eine Umorientierung in den Marketingaktivitäten auf Länder mit unbeschwerten Reisebedingungen und die Überlegung von Kostenreduktionen, ohne Stellenabbau. Hammel meint: «Es könnte Neuanstellungen betreffen oder dass Mitarbeitende Ferien abbauen.»
Auch die Titlis-Bergbahnen in der Zentralschweiz spüren einen Rückgang bei Gästen aus Indien, China und anderen asiatischen Ländern sowie den Golfstaaten. Da deren Hauptreisezeit noch bevorsteht, sind die Auswirkungen schwer abzusehen.
Die Zukunft des Tourismus in bestimmten Gebieten hängt stark von der Dauer des Iran-Konflikts ab.