Barbara Buser hat mit ihrem Einfluss auf Basel Geschichte geschrieben. Ihre Prägung der Stadt vollzieht sich nicht durch neue Gebäude, sondern durch den Erhalt bestehender Strukturen wie Fabrikhallen und Wohnhäuser, die zum Stadtleben beitragen. Die 72-jährige Architektin ist eine Wegbereiterin im nachhaltigen Bauen in der Schweiz mit dem klaren Anspruch: «Keine Gebäude mehr abreißen dürfen». Sie sieht Klimaschutz beginnend bei der Frage, ob ein Neubau überhaupt nötig ist und warnt davor, dass die Menschheit auf diesem Weg ihre Zivilisation verlieren könnte.
Ihr Ansehen erlangte sie durch Projekte wie das Gundeldinger Feld in Basel – eine ehemalige Fabrik, heute ein Ort der Begegnung – sowie die Basler Markthalle, die sie aus einem gescheiterten Einkaufszentrum zu einem beliebten Treffpunkt umgestaltete.
Ihre Haltung formte sich früh, beeinflusst durch ihre zehnjährige Tätigkeit in Afrika nach ihrem Studium an der ETH Zürich. Sie lernte dort, effizient mit knappen Ressourcen zu arbeiten und empfand die Schweizer Baupraxis bei ihrer Rückkehr als verschwenderisch. In den 1990er-Jahren gründete sie die Bauteilbörse Basel und später das Büro «in situ» mit Eric Honegger, geleitet von dem Motiv, Abfall zu vermeiden.
Ihr Ansatz: sanfte Renovation statt Abriss, Wiederverwendung statt Recycling sowie schrittweise Entwicklung anstelle großer Masterpläne. «Ein gepflegtes Haus hat kein Ablaufdatum», betont Buser, «es kann jahrhundertelang erhalten bleiben und muss nicht auf 60 Jahre begrenzt werden».
Barbara Buser galt lange als Außenseiterin in der Architekturszene; ihre Arbeit wurde von etablierten Kollegen oft als «Gebastel» abgetan, das keine Architektur sei. Trotzdem erhielt sie Anerkennung und Preise wie den «Prix Meret Oppenheim» 2020 und den «Basler Kulturpreis» 2024.
Derzeit steht Buser im Mittelpunkt des Dokumentarfilms «Barbara Buser – Pionierin der Nachhaltigkeit», der die Bedeutung der Erhaltung bestehender Gebäude für die Klimawende hervorhebt. Doch ob diese Wende in der Schweiz gelingt, ist fraglich: Der Anreiz zum Neubau sei finanziell attraktiver.
Trotz ihres Pensionsalters setzt Buser ihre Mission fort, indem sie sich vermehrt der Ausbildung und Vermittlung an die nächste Generation widmet. Sie glaubt fest daran, dass junge Menschen eine gestaltende Rolle in einer Welt übernehmen werden, die von den vorherigen Generationen geprägt wurde.