Am 20. April 2006 meldet der Landbote den unerwarteten Verschwindensfall eines Bööggs, einer zentralen Figur des Zürcher Sechseläutens: «Vermisst wird: Böögg. Grösse: 3.4 Meter, Gewicht: 100 Kilogramm». Der Böögg wurde aus einer Garage in Stäfa am Zürichsee entwendet, während Hauptladung und Hals zurückblieben. Die Täter hinterliessen ein Hammer-und-Sichel-Etikett sowie einen Osterhasen als Zeichen für den Vater des Bööggs, Heinz Wahrenberger. Das Emblem deutete auf eine politische Motivation hin.
Die Polizei sieht das Vergehen als Offizialdelikt und beschlagnahmt den Osterhasen zur Spurensicherung. Seit 1965 fertigt Wahrenberger die Böögg-Figuren an, ein Vorhaben mit enormem Aufwand von über 40 Stunden Arbeit. Er betont gegenüber SRF, dass eine unsachgemäße Behandlung des Bööggs zu Explosionsgefahr führen kann und appelliert humorvoll: «Passed chli uf!»
Am folgenden Tag bekennt sich die «Revolutionäre Bewegung 1. Mai – Strasse frei» zur Tat, mit dem Statement: «Der Böögg hat die Schnauze voll, für die KapitalistInnen den Kopf hinzuhalten!». Die Tätergruppe zeigt dabei bereits damals eine Sensibilität für geschlechtsneutrale Sprache.
Die Reaktionen der Zürcher Zünfte bleiben gelassen: «Irgendwann hat das ja einmal passieren müssen», kommentiert Carl Ziegler, Böögg-Verantwortlicher des Zentralkomitees. Er versichert, dass ein baugleicher Ersatz bereitsteht und bereits zündfertig ist. Es wird kein Kopfgeld auf den echten Böögg ausgesetzt; man trauere ihm nicht besonders nach.
Die öffentliche Meinung teilt sich: Manche finden die Aktion «echli blöd», andere «no ganz witzig». Letztlich wird der stellvertretende Böögg von einem geheimen Ort abgeholt, und Heinz Wahrenberger holt den Kopf persönlich aus dem Kofferraum seines Autos. Er erklärt: «Ich habe den Kopf schon immer hierhergebracht und deswegen separat versteckt.»
Das Sechseläuten am 26. April verläuft ohne weitere Zwischenfälle bei gutem Wetter, und Bundesrat Christoph Blocher äußert sich positiv: «Alli hend Fröid». Die SVP hingegen sieht darin eine Gelegenheit für neue Verantwortlichkeiten.
Der entführte Original-Böögg bleibt verschollen; sein Ersatzmann explodiert nach 10 Minuten und 29 Sekunden. Eine Revolution ist dadurch nicht in Gang gesetzt.