Charles Lewinsky bezeichnet das Schreiben als ein Abenteuer ohne festen Plan, wie er in einem Interview über seinen autobiografischen Roman “Sind Sie das?” äußerte. Er lässt sich von seinen Figuren leiten und betrachtet jede andere Vorgehensweise als “Malen nach Zahlen”.
Dieser kernige Spruch spiegelt Lewinskys Stil wider: Seine Texte sind technisch präzise, aufgrund seiner umfassenden Erfahrung als Lied- und Sitcom-Texter, lebensnah, spannend und überraschend. Geboren in Zürich, wuchs er im jüdisch-orthodoxen Milieu ohne Vater auf. Seine Gymnasialzeit verbrachte er in Luzern, wo er erste Theatererfahrungen sammelte. Nach Ingolstadt zog es ihn als Regieassistent und später nach München zu Fritz Kortner, dessen Einfluss ihm klar machte, dass er bestenfalls “brauchbar” als Regisseur wäre.
Auf der Suche nach neuen Möglichkeiten kam Lewinsky zum Schweizer Fernsehen und zur Unterhaltungsabteilung. Hier traf er auf den Klarinettisten Carlo Brunner, der ihn bat, einen Text für ein Lied beim Grand Prix der Volksmusik zu schreiben. Sein Beitrag “Das chunnt eus spanisch vor” gewann sofort.
So startete Lewinskys erste Karriere als Texter von Volksmusikliedern, mit rund 700 Songtexten und einer inspirierenden Zusammenarbeit mit dem Komponisten Heinz Gietz. Kurz darauf folgte die zweite Karriere: Sitcom-Schreiber. Nach anfänglichen Zweifeln wurde er beauftragt, eine Schweizer Sitcom zu entwickeln. Seine Lösung: “Fascht e Familie”, mit Figuren wie Tante Martha und Kellner Hans, die ihm Material für etwa 100 Folgen lieferten.
Mit genügend finanziellen Mitteln begann Lewinsky schließlich seine dritte Karriere als Romanautor. Das Fernsehen unterstützte ihn erneut, indem es gerade in dem Moment seine Sitcom beendete, als er eine neue plante. So entstand “Melnitz”, sein Durchbruchswerk.
Seitdem veröffentlicht Lewinsky regelmäßig Romane und arbeitet an Musicals sowie einem Liederabend mit seinem verehrten Kollegen Markus Schönholzer. Mit 80 Jahren ist Charles Lewinsky weiterhin aktiv, dankbar für die ständige Projektvielfalt, da das Beenden eines Projekts ihn tief deprimiert. Möge ihm so noch viele Jahre lang kreative Arbeit beschieden sein.