Der Basler Pharmahersteller Corden Pharma hat seine Pläne für eine neue Fabrik in Schweizerhalle auf Eis gelegt und entschieden, das Projekt in den USA fortzusetzen. Ursprünglich hätte dieses Werk die Produktion von Peptid-Wirkstoffen zur Unterstützung des wachsenden Geschäftsbereichs mit Abnehmspritzen umsetzen sollen. Die Entscheidung fällt im Kontext der zunehmenden protektionistischen Maßnahmen durch die US-Regierung, welche die Schweizer Pharmabranche unter Druck setzt.
Der Standort für das geplante Werk in den USA soll bald bekanntgegeben werden. Firmenchef Michael Quirmbach erläuterte gegenüber der NZZ, dass Corden aufgrund des wachsenden Protektionismus in den Vereinigten Staaten keine andere Wahl habe, als die Schweizer Expansion zu pausieren: «Wir pausieren das Projekt», so Quirmbach. Anders als Branchengrößen wie Roche oder Novartis ist Corden Pharma kein Hersteller eigener Medikamente, sondern produziert im Auftrag anderer Unternehmen. Die Firma, welche letztes Jahr fast 1 Milliarde Euro umsetzte, dient europäischen und amerikanischen Pharmaunternehmen als Lohnhersteller.
Seit Donald Trumps Wiederwahl zum US-Präsidenten steht die Erwartung im Raum, dass Medikamente künftig nur noch in den USA produziert werden sollen. «Die USA sind ganz klar der Ort, wo Kunden zurzeit ihre Präferenz haben», betonte Quirmbach. Ab Ende Juli drohen Importe von Pharmaprodukten aus Europa mit Zöllen bis zu 100 Prozent.
Das geplante Werk in Schweizerhalle hätte vor allem den US-Markt versorgen sollen, doch nun entgeht der Standort einem Investitionsvolumen von 500 Millionen Franken sowie der Schaffung von 300 Arbeitsplätzen. Stattdessen wird Corden in den USA «einige hundert Leute» einstellen und seine dortige Belegschaft verstärken. Trotz dieser Expansion bleiben die bestehenden Standorte im Baselbiet mit knapp über 300 Mitarbeitenden unverändert.
Auch andere Schweizer Pharmahersteller reagieren auf die US-Politik: Novartis plant, eine Fabrik in North Carolina zu eröffnen, und will bis 2028 sein Werk in Wehr schließen. Roche errichtet ebenfalls ein neues Werk in North Carolina. Siegfried, ebenfalls als Lohnhersteller tätig, hat zwei Produktionsstätten in den USA übernommen – eine Entscheidung, die nicht direkt mit der Zollpolitik zusammenhängt.
US-Präsident Trump hebt hervor, dass 2025 mehr als die Hälfte der patentgeschützten Medikamente auf dem amerikanischen Markt aus dem Ausland stammen. Bei den Pharmawirkstoffen beträgt dieser Anteil sogar 85 Prozent. Die US-Regierung scheint nun entschlossen, diese Abhängigkeit zu verringern – auch wenn dies die Schweizer Pharmaindustrie betrifft.