Die Kontrolle der Bar “Le Constellation” in Crans-Montana weist schwerwiegende Mängel auf. Opferanwälte möchten die Versicherungen zur Rechenschaft ziehen, welche sich jedoch auf die Behörden berufen.
Es steht fest, dass bei den Kontrollen der Bar “Le Constellation”, wo eine Brandkatastrophe stattfand, gravierende Fehler unterlaufen sind. Die Verantwortung für diese Versäumnisse wird von niemandem übernommen.
Dies trifft auch auf Nicolas Féraud zu, den Bürgermeister von Crans-Montana, der am Montag durch die Walliser Staatsanwaltschaft befragt wurde. Laut Berichten des Schweizer Fernsehens SRF erfuhr Féraud nach dem Brand in der Silvesternacht davon, dass seit 2019 keine Brandschutzkontrollen mehr stattgefunden hatten. Seine Aussage entlastet ihn jedoch nicht von der Schuldfrage, da laut Gesetz jährliche Kontrollen vorgesehen waren.
Neben Féraud ermitteln die Behörden gegen acht weitere Personen, darunter Jacques und Jessica Moretti, die Betreiber der Bar. Ihnen wird fahrlässige Tötung, fahrlässige Körperverletzung und Brandstiftung vorgeworfen.
Opferanwälte hinterfragen nun, ob bei eventuellen Versäumnissen seitens der Behörden die Versicherungen ihre Kontrollpflichten wahrgenommen haben. Jacques und Jessica Moretti hatten eine Haftpflichtversicherung über Axa Schweiz abgeschlossen. Die Anwälte möchten wissen, ob Axa den Brandschutz nach dem Umbau 2015 kontrolliert hat und ob bei einer Pflichtverletzung die Versicherung höhere Summen zahlen müsste.
Axa Schweiz äußert sich nicht zu der Brandkatastrophe. Details zur Geschäftsbeziehung mit den Morettis oder zur konkreten Police sind unbekannt, weshalb die Staatsanwaltschaft aufgefordert wurde, alle Unterlagen seit 2015 von Axa einzufordern.
Es ist bekannt, dass es sich um einen standardmäßigen Branchenvertrag mit einer begrenzten Deckungssumme zwischen 5 und 20 Millionen Franken handelt. Versicherungen sind mit solchen Policen vertraut, obwohl sie Gastrobetriebe nicht zwangsläufig kontrollieren müssen.
Bei speziellen Risiken oder ungewöhnlich hohen Deckungssummen ist eine Kontrolle jedoch möglich. Auch bei Umbauten, wie beim Lokal 2015, sind Versicherungsbesichtigungen laut Experten unüblich, da vor Ort nur ein Bruchteil der Gefahrenquellen erkannt werden kann.
Die häufigsten Schäden in einem Betrieb entstehen durch Betriebsunfälle. Feuer mit Todesopfern sind extrem selten. Aus diesem Grund wären umfassende Besichtigungen unverhältnismäßig und würden die Prämien für KMU in die Höhe treiben.
Experten glauben, dass Axa Schweiz trotz fehlender Kontrolle nicht mit Nachforderungen rechnen muss. Eine Versicherung kann nicht für eine falsche Risikobeurteilung belangt werden, jedoch muss sie die vertragliche Deckungssumme zahlen – was von der Axa bereits bestätigt wurde.
Die Brandschutzkontrolle ist laut Axa Aufgabe der Behörden. Die Behörden selbst zeigen sich zurückhaltend bei technischen Fragen zu den Kontrollen in Crans-Montana und verweisen auf die kantonalen Zuständigkeiten. Im Wallis gibt es keine obligatorische Gebäudeversicherung, weshalb Gemeinden unter Aufsicht des Kantons kontrollieren.
Die letzte Überprüfung der Bar 2019 zeigte eine maximale Personenkapazität von 100 im Untergeschoss und 50 im Fumoir. Da das Fumoir ebenfalls im Untergeschoss liegt, besteht Unklarheit über die tatsächliche Kapazität des Raumes. Dies trug zu den tragischen Ereignissen bei. Fragen zur Lesart der maximalen Personenanzahl in Kontrollberichten blieben vom kantonalen Amt für Feuerwesen unbeantwortet.