Die ersten Sonnenstrahlen tauchen die Walliser Viertausender in Licht, während Michaela und Samuel Häfliger sowie Alain Köslich seit über acht Stunden mit Tourenski unterwegs sind. Beim Combe du Pas de Chèvres oberhalb von Arolla erhalten sie Proviant und Unterstützung von Bekannten. Jahrelang träumten sie davon, die Patrouille des Glaciers zu erleben; nun ist ihr Ziel, das Ziel heil zu erreichen.
“Ich fühle mich wie eine 3 von 10”, lacht Alain Köslich, der sich seit Stunden vor Kälte und Energiemangel quält. Trotzdem müssen sie weiter: über den Col de Riedmatten hinweg zum Lac des Dix.
Die Patrouille des Glaciers gilt als das größte Skitourenrennen weltweit – legendär, mythisch, atemberaubend. In Zermatt liegt die Vorfreude auf dem Höhepunkt, während Hotels ihre Saison verlängern und Gruppen durchstreifen.
Michaela Häfliger, 31, ihr vier Jahre jüngerer Bruder Samuel sowie Alain Köslich treten in der zivilen Patrouillenkategorie an. Die Geschwister aus dem Kanton Luzern und Alain Köslich, ebenfalls Skilehrer und Hotelbesitzer, starteten mit der Patrouille “Hotel Ambiance”.
Die Armee organisiert das Rennen seit 1914; Martin Anthamatten, ein erfahrener Teilnehmer, beschreibt es als unveränderlichen Mythos. Die Eröffnung findet in Zermatts Pfarrkirche statt, wo Brigadier Yves Charrière schließlich verkündet: “Heute Abend findet das Rennen statt!”
Die Gruppe zieht sich danach zurück; kurz vor 22 Uhr starten sie mit einer umfangreichen Ausrüstungsliste. Unter den Zuschauern beobachten sie das Startsignal.
Michaela Häfliger hatte oft den Start miterlebt und entschied sich spontan zu diesem Rennen, obwohl weder Samuel noch Alain regelmäßig Skitouren unternahmen. Ihre Vorbereitung umfasste seit Dezember zahlreiche Trainings.
Bereits in der ersten Stunde kämpft Michaela mit ihrem Puls von 170 und findet erst beim Wechsel zu Ski ein vertrautes Gefühl. Beim Checkpoint Schönbiel fürchten sie, zu langsam zu sein und starten überhastet. In Tête Blanche vergessen sie sich wärmer anzuziehen; der Abstieg wird rutschig.
In Arolla treffen ihre Eltern ein, die Verpflegung bereitstellen. Weiter geht es über den Col de Riedmatten und Lac des Dix mit einem letzten Anstieg zur Rosablanche. Hier zieht Samuel Häfliger seinen erschöpften Kollegen Alain Köslich eine halbe Stunde.
Nach 13 Stunden erreichen sie Verbier. Hand in Hand jubeln die drei über das gemeinsam erreichte Ziel und lassen vorübergehend ihre Erschöpfung vergessen. Der Mythos der Patrouille des Glaciers wird durch Teamgeist und Tapferkeit erklärt; man gewinnt nur zusammen.