Elon Musk ist bekannt für seine ehrgeizigen Ziele, doch im letzten Herbst zeigte er auf seiner Plattform X eine ungewöhnliche Bescheidenheit: «Die Idee zum Mond zu fliegen, ist einfach; tatsächlich dorthin zu gelangen, jedoch unglaublich schwierig.» Ein bemerkenswertes Statement von jemandem, der bereits die Vision hat, Städte auf dem Mars zu errichten.
SpaceX, Musks Firma, spielt eine zentrale Rolle im Nasa-Mondprogramm Artemis, indem sie Astronauten mit einer Landefähre zur Mondoberfläche bringen soll. Doch SpaceX ist erheblich im Verzug und verlor letztes Herbst die Geduld der Nasa, die sogar den Auftrag entziehen drohte.
Die Probleme von SpaceX sind nur ein Teil des größeren Problems des Artemis-Programms. Die Nasa musste das Datum für die bemannte Mondlandung bereits mehrfach verschieben und visiert nun 2028 an, weitere Verzögerungen bleiben jedoch möglich. Der Vorsprung auf China schrumpft zusehends, denn das Land plant eine Mondlandung im Jahr 2030.
China hat in der Raumfahrt erheblich aufgeholt. Josef Aschbacher, Chef der Europäischen Weltraumagentur (Esa), erwähnte gegenüber SRF, dass China über die letzten 15 Jahre hinweg eine starke Weltraumtechnologie entwickelt habe und sich nun als Nummer 2 positioniert sieht, mit dem Ziel, die USA zu überholen.
Die chinesischen Ambitionen lösen in den USA zunehmende Nervosität aus. Das lange Zeit unbestrittene Selbstverständnis, im Weltraum die Nummer 1 zu sein, gerät ins Wanken und beunruhigt die Politik. Ein Hearing des Repräsentantenhauses letzten Dezember offenbarte Bedenken bezüglich der globalen Führungsrolle der USA. «Wer jenseits der Erde die Führung übernimmt, wird die Zukunft der Erde gestalten», warnte Mike Haridopolos, Vorsitzender des Hearings.
Im Hearing kritisierte Ex-Nasa-Direktor Mike Griffin das gesamte Mondprogramm als zu ehrgeizig und komplex. Er plädierte erneut dafür, Artemis einzustellen und neu aufzusetzen.
Die Nasa reagierte umgehend: Das Programm wird umgebaut und abgespeckt. Jared Isaacman, der Chef der Nasa, betonte das Bemühen, die Führungsrolle der USA im Weltraum zu sichern. «Die Uhr tickt im Wettlauf der Großmächte», warnte er und sprach von wenigen Monaten, die den Ausgang des Rennens entscheiden könnten.
Der heutige Wettlauf zum Mond hat andere Ziele als jener der 1960er-Jahre. Es geht nicht nur um technologische Überlegenheit, sondern auch um die Erschließung eines neuen Wirtschaftsraums. Sowohl China als auch die USA haben langfristig Pläne für eine Nutzung des Mondes.
Clémence Poirier von der ETH betont die Bedeutung, zuerst Stationen auf dem Mond zu errichten; dies gebe faktische Kontrolle über das Territorium, trotz internationaler Abkommen gegen Hoheitsansprüche. Es geht um Macht und Einfluss.
Die Geschichte könnte sich auf dem Mond wiederholen: Wer wird die Oberhand behalten – die USA oder China?