Vier Wochen nach dem russischen Angriff auf die Ukraine gestand der Regierungsrat von Zug am 29. März 2022 ein, dass nicht alle Risiken abschließend bewältigt werden können. Dies war eine Reaktion auf den damals getroffenen Entscheid zur Einführung von Microsoft-Produkten in der Kantonsverwaltung, dessen Tragweite erst später deutlich wurde. Mehrere Kantone nutzen mittlerweile die Cloud-Lösungen von Microsoft, was aufgrund des US-amerikanischen ‘Cloud Act’ zu Kritik führte. Dieser erlaubt es US-Behörden bei Verdacht auf Straftaten, Datenherausgabe zu verlangen. Deshalb sind strenge Datenschutzregeln und Risikoanalysen von essenzieller Bedeutung. Im Gegensatz dazu agierte der Kanton Zug eher unbedacht, wie Recherchen von zentralplus aufzeigen. Eine Prüfung alternativer Lösungen unterblieb ebenso wie eine umfassende Befragung interner Stellen. Entscheidend war die Aufgabe einer Datenklassifizierung bis zwei Jahre nach Projektbeginn. Die Regierung übertrug die Verantwortung einem Einzelnen. Durch das Öffentlichkeitsgesetz erlangte zentralplus Einsicht in Protokolle und führte eine einjährige Analyse von Regierungsarbeiten durch. Bis zum Frühling 2026 war die Umstellung auf Microsoft Teams zu 90 Prozent abgeschlossen, mit Kosten von rund 4,8 Millionen Franken. Am 22. Februar 2022 diskutierte die Regierung den Einsatz von UCC-Technologien erstmals offiziell, wobei bereits Risiken wie weltweiter Zugriff auf Daten thematisiert wurden. Die Entscheidung fiel schließlich am 29. März 2022 zugunsten Microsofts. Ein Mitglied des Regierungsrats kritisierte die fehlende Prüfung von Alternativen und offene Fragen zur Verschlüsselung, doch der Antrag auf Überarbeitung wurde abgelehnt. Der Finanzdirektor Heinz Tännler betonte politische Führungsentscheidungen und versicherte, dass keine sensiblen Daten in die Cloud gelangen würden. Nach dem Entscheid für Microsoft Teams musste das Amt für Informatik umsetzen und sollte bei Risiken für Grundrechte intervenieren. Eine solche Genehmigung ist bis heute nicht erfolgt. Schwärzungen im Protokoll verdeckten möglicherweise, wie die Öffentlichkeit über das Projekt informiert wurde. Die Recherchen von zentralplus, gestützt durch den Recherchefonds von investigativ.ch, beleuchten auch den Rücktritt des Ex-Regierungsrats Beat Villiger. Tännler erläuterte später, dass eine Evaluation von Konkurrenzprodukten als nicht zielführend angesehen wurde und die Entscheidung ohne Parlament aufgrund einer gesetzlichen Grundlage getroffen wurde. Im Juli 2024 entschied der Regierungsrat endlich über eine Datenklassifizierung. Obwohl bisher keine Missbräuche festgestellt wurden, bleiben datenschutz- und sicherheitsrelevante Fragen offen. FDP-Kantonsrätin Jill Nussbaumer fordert mehr Transparenz und Maßnahmen zur Risikominimierung. Die Luzerner Regierung plant Notfallpläne, um Abhängigkeiten zu reduzieren, während der Kanton Zug eine Exitstrategie im Falle eines Konflikts mit Schweizer Gesetzen benötigt.