In der Debatte um die Nutzung von Bootsplätzen im unteren Stadtzürcher Seebecken stellt sich erneut die Frage, wie diese Ressourcen verteilt werden sollten. Die Linksfraktion im Stadtparlament schlägt vor, einen Drittel dieser Plätze für Sharing-Angebote freizugeben. Ein Branchenkenner äußert jedoch Bedenken: «Dann haben wir definitiv ein ‹Puff› auf dem Wasser.» Das Thema ist seit Jahrzehnten umstritten: Viele wünschen sich einen Bootsplatz, doch nur wenige nutzen diesen für das tatsächliche Segeln oder Motorbootfahren. Stattdessen bleiben viele Boote unbewegt an ihren Liegeplätzen – ein Ärgernis vieler und Statussymbol anderer. Die linken Parteien im Parlament sind unzufrieden mit der aktuellen Situation und haben einen Vorstoss eingereicht, um die Vergabe von Bootsplätzen zugunsten von Sharing-Modellen zu prüfen. Dieser Vorstoss von den Grünen, der SP und der AL fordert eine Bevorzugung von «Betreibenden von Sharing-Booten, Vereinen und Non-Profit-Organisationen», insbesondere solcher mit fossilfreien Antrieben. Jürg Rauser von den Grünen betont: «Bootsplätze am Stadtzürcher Seebecken befinden sich im öffentlichen Raum – insofern ist es von öffentlichem Interesse, ob die Boote auf diesen Plätzen bewegt werden oder nicht.» Er sieht einen Missstand und fordert eine breitere Verfügbarkeit der Bootsplätze. Ein ähnlicher Vorstoss der Grünliberalen wurde im Herbst überwiesen. Die Stadt argumentiert jedoch mit dem Gleichbehandlungsprinzip gemäß Warteliste, wobei die Hoheit über den Zürichsee beim Kanton liegt. Wer sich zuerst meldet, erhält in der Regel auch zuerst einen Platz – obwohl dies Jahre dauern kann. Die Stadt hat bereits festgestellt, dass Antriebsarten oder Emissionsziele bei Bewerbungen keine Rolle spielen dürfen. Dennoch können Anträge gestellt werden, die sich mit diesen Themen befassen, um etwa die Elektrifizierung des Bootsverkehrs zu fördern. Ein weiteres Problem betrifft die Stromanschlüsse für Bootsladestationen: Diese sind nur erlaubt, wenn eine Aufsichtsperson anwesend ist. Segel-Sharing-Anbieter wie Sailbox sehen darin einen Nachteil, da ihre Elektroboote regelmäßig ausfahren und schwere Batterien benötigen. Olivier Lüthold von Sailbox fordert Entgegenkommen der Stadt für Sharing-Anbieter. Obwohl das Vorhaben eines Drittels der Bootsplätze für Mehrfachnutzer von Linkspolitikern unterstützt wird, ist Lüthold mit einem Anteil von fünf bis zehn Prozent zufrieden. Er warnt davor, dass ein plötzlicher Anstieg an gleichzeitig losfahrenden Booten zu Verkehrsproblemen führen könnte. Die Diskussion um «Platzhalterboote» ist also komplex und wird weiterhin kontrovers geführt. Der Fokus richtet sich nun auf die Debatte über das Hafenprojekt Marina Tiefenbrunnen, welches mit seinen 500 Bootsplätzen bald erörtert werden soll.