Das Interesse am Ocean Rowing nimmt stetig zu; mehr Abenteurer nutzen verbesserte Materialien und umfassendere Betreuung, um die Herausforderung anzunehmen. Auch ihre Sichtbarkeit hat zugenommen.
Im Jahr 1896 gelang es den ersten Menschen, den Atlantik in einem offenen Ruderboot zu überqueren. Zwei Norweger begaben sich in ein 5,5 Meter langes Boot und konfrontierten Stürme während ihrer 55-tägigen Reise von New York nach Grossbritannien. Heutzutage sind die Boote sicherer und komfortabler, Wasser wird aus dem Salzwasser gewonnen – trotzdem bleibt eine Ozeanüberquerung ein Abenteuer.
Der Schweizer Ruderer Luca Fayd’herbe erinnert sich an seine Überquerung mit Team44west im Winter: “Das Unbekannte löste Furcht aus; wir sahen den Atlantik als gewaltige Naturgewalt, die tödlich sein könnte.” Die Ocean Rowing Society verzeichnet bislang 1355 Versuche, von denen über 70 Prozent erfolgreich abgeschlossen wurden.
Von allen Ruderern wählten etwa 70 Prozent den Atlantik von Ost nach West und rund 40 Prozent waren Solo-Ruderer. Männer machen mit 80 Prozent die Mehrheit aus. Über die Hälfte der Crews nimmt an Rennen teil, wie das im Dezember 2025 gestartete World’s Toughest Row, das erstmals 1997 organisiert wurde und seither mehrfach umbenannt wurde.
Die Teilnahme ist nicht einfach: Solo-Ruderer werden sorgfältig auf ihre Eignung geprüft. Das Motto lautet: “Wir machen den Start schwer, um das Ziel zu erleichtern.” Erst im Dezember 2029 wurden wieder Plätze für die Atlantiküberquerung vergeben.
Taryn Smith, eine der beiden Frauen in der Solo-Kategorie, nutzte eine Internetverbindung über Starlink-Satelliten, um ihre Familie täglich über Instagram zu informieren. Nach ihrer Rückkehr hatte sie mehr als 500.000 Follower.
Die wachsende Bekanntheit zieht nun auch jene an, die nicht nur Abenteurer sind. Teams wie 44west bereiteten sich drei Jahre lang auf ihre Herausforderung vor und strebten nach dem Weltrekord. Sie trafen beim Rennen auf das Boot “Kiwi Fondue”, zu dessen Crew auch der Ruderikone Mark Slats gehörte.
Die unterschiedlichen Motivationen zeigten sich im Ziel: Während viele die Erfahrung als tiefgreifend empfanden und eine erneute Teilnahme planten, äußerte das Team von 44west den Entschluss “Nie wieder.” Die Windbedingungen verhinderten allerdings den Rekord. Dennoch bleibt der Ozean ein unbeherrschbares Abenteuer.
Die Marke der Pioniere George Harbo und Frank Samuelsen hielt 114 Jahre lang Bestand, was die Unberechenbarkeit des Ozeans unterstreicht.
Bei der “NZZ Live”-Veranstaltung am 22. April 2026 in Zürich sprechen vier Schweizer Ruderer von 44west über ihre Erfahrungen: mentale Herausforderungen, präzise Teamarbeit und blindes Vertrauen.
Tickets und weitere Informationen finden Sie hier.