In der Schweiz konsumieren Menschen durchschnittlich zwei Tassen Kaffee pro Tag und Person, was sie im europäischen Vergleich an die Spitze bringt. Nur in den skandinavischen Ländern ist der Konsum noch höher.
Viele hoffen auf einen morgendlichen Energieschub durch Kaffee. Tatsächlich blockiert Koffein Adenosin-Rezeptoren und fördert die Dopaminproduktion, was anregende Effekte hat. Yasser Khazaal, ein Psychiater am Universitätsspital Lausanne, merkt jedoch gegenüber dem Westschweizer Radio und Fernsehen (RTS) an, dass der Energiegewinn für regelmäßige Kaffeetrinker oft nur eine Normalisierung ihres Zustands bedeutet.
Regelmäßige Trinkende erleben zwar Stimmungsverbesserungen durch den Konsum, diese beruhen jedoch meist darauf, Entzugssymptome wie Müdigkeit und Reizbarkeit zu mildern. Laut der Psychologin Laura Juliano von der New York Times sind starke positive Effekte hauptsächlich für gelegentliche Kaffeetrinker spürbar. Diese werden besonders stark in den ersten zweieinhalb Stunden nach dem Aufwachen erlebt.
Koffein aktiviert das Nervensystem, das bei Stressreaktionen involviert ist, was zu erhöhtem Puls und Blutdruck führt – ähnlich einer Angstreaktion. Yasser Khazaal erklärt, dass diese Wirkung ab etwa 400 mg Koffein pro Tag deutlicher wird, was ungefähr vier Espressi entspricht.
Obwohl einige Studien einen Zusammenhang zwischen hohem Kaffeekonsum und einem geringeren Risiko für Depressionen nahelegen, betonen Experten, dass dies keinen kausalen Beweis darstellt. Eine Meta-Analyse aus 2023 stützt diesen Befund ohne definitive Schlüsse.
Während Kaffee ein Gefühl der Wohlbefindlichkeit fördern kann, sollte seine Wirkung bei Gewohnheitstrinkern relativiert werden. Fachleute empfehlen einen moderaten Konsum von etwa einer bis zwei Tassen täglich. Quelle: RTS Fast check, 20.3.2026, 14:20 Uhr