Donald Trumps Angriff auf das globale Handelssystem hat sich ökonomisch als wenig fruchtbar erwiesen, während die Resilienz der Weltwirtschaft überrascht. Doch hinter seiner aggressiven Politik verbirgt sich eine gefährliche politische Logik.
Es war kein Aprilscherz: Im vergangenen Jahr lud Präsident Trump nahezu sein gesamtes Kabinett, Gewerkschafter und Funktionäre zum ‘Liberation Day’ ins Weisse Haus ein. “Meine amerikanischen Mitbürgerinnen und Mitbürger, heute ist der Tag der Befreiung”, eröffnete Trump seine Rede von fast 1,5 Stunden Dauer. Die Anwesenden applaudierten begeistert, während Zuhörer weltweit entsetzt waren.
Trump beschrieb die Lage drastisch: “Seit Jahrzehnten wird unser Land ausgeplündert, ausgeraubt und geschändet.” Er kritisierte, wie ausländische Staatschefs amerikanische Arbeitsplätze stahlen. Trump versprach einen wirtschaftlichen Unabhängigkeitstag, der Billionen Dollar einbringen und Steuern senken sollte. Eine Tafel verkündete Strafzölle von 20 Prozent auf die EU, 31 Prozent auf die Schweiz und 34 Prozent auf China.
Nach einem Jahr zeigt sich: Der Angriff hat den USA wenig gebracht. Die Verschiebung hin zum Merkantilismus belastete amerikanische Konsumenten durch höhere Preise um etwa 0,8 Prozentpunkte, während das Handelsbilanzdefizit neue Höchststände erreichte. Das Wirtschaftswachstum verlangsamte sich auf 2,1 Prozent im letzten Jahr.
Trotzdem blieb die globale Wirtschaft stabil: Der Internationale Währungsfonds schätzt ein Wachstum von 3,3 Prozent weltweit und das Welthandelsvolumen wuchs laut WTO um 4,6 Prozent. Die USA isolierten sich weitgehend im Handelskonflikt, während internationale Partnerschaften sich liberalisierten.
Die Differenz zwischen Trumps Rhetorik und Realität offenbarte seine Abhängigkeiten: Zölle auf bestimmte Importe wurden ausgesetzt, als Preiserhöhungen die Wähler verärgerten. Handelsströme wurden umgeleitet statt abgewürgt.
Wirtschaftliche Rationalität und politische Rhetorik unterscheiden sich stark. Trump nutzt seine Politik, um Groll zu instrumentalisieren: “Hier ist endlich einer, der euch einsetzt”, suggeriert er seinen Wählern.
Die weniger vermögenden Teile der amerikanischen Gesellschaft sind unzufrieden. Seit Jahrzehnten drückt technologischer Fortschritt und Chinas Aufstieg auf Löhne und Arbeitsplätze, während das Einkommen nur moderat gestiegen ist. Trump schürt diesen Unmut.
Trumps Politik löst keine Probleme: Studien zeigen, dass der Zollkrieg keinen Beschäftigungszuwachs brachte. Wut und Angst im politischen Diskurs nehmen zu, was Offenheit gegenüber Freihandel verringert. Eine Nullsummenmentalität verbreitet sich.
Amerikanische Politiker sollten ihre dynamische Wirtschaft unterstützen und Bildung verbessern. Verlierer von Handelsänderungen müssen stärker unterstützt werden.
Ähnlich sehen es auch europäische Länder: Rhetorik über Unmut bringt kurzfristig Erfolg, löst aber nicht die tieferen Probleme. Abschottung ist keine Lösung; internationale Zusammenarbeit ist entscheidend. Es braucht Politiker, die Problemlöser wählen lassen statt Groll-Bewirtschafter.